Auf einen Kaffee mit Alexandre Lehr (ONINO)

CyberForum 18.09.2025

Ich treffe Alexandre Lehr im Café Alina im Karlsruher Schlachthof zum Kaffee. Er erzählt, wie er den Spieß bei Investoren umdrehte. Weg vom Gefühl des Bittstellers, hin zur Augenhöhe. Mit ONINO schließt er die große Finanzierungslücke zwischen Kredit und Kapitalmarkt – dort, wo Banken zögern und VCs anderes im Blick haben.

Von Ariane Lindemann

Wenn Alexandre Lehr über die erste Finanzierungsrunde von ONINO spricht, klingt er heute ziemlich gelassen. Doch der Weg dorthin war steinig. „Wir sind es lange falsch angegangen“, sagt er. „Unsere Story war nicht im Sync mit dem, wo wir standen und wo wir hinwollten. Wir haben zu groß gedacht und uns gefühlt wie in der Zwingmühle.“ Der Wendepunkt kam, als ONINO nicht nur Umsätze zeigen konnte, sondern auch sein Profil schärfte. „Plötzlich war es anders: Wir brauchten kein Geld mehr und Investoren kamen auf uns zu. Ab dem Moment hatten wir Augenhöhe.“

Zwischen Bank und Börse entsteht ein neuer Markt

Augenhöhe ist für Alexandre elementar. Nicht nur im Verhältnis zu Geldgebern, sondern auch im Hinblick auf die Frage, wie ONINO selbst positioniert ist. Denn die Plattform besetzt einen Raum, der bislang erstaunlich leer geblieben ist: zwischen Bank und Börse. Unternehmen, die für Banken zu riskant, für VCs aber nicht spektakulär genug sind, bleiben oft ohne Finanzierung. Und Investor:innen, die zwischen einfachen Trading-Apps und institutionellen Fonds liegen, finden kaum Angebote, die zugänglich und greifbar sind. ONINO adressiert genau diese Lücken und will Kapital dorthin bringen, wo es bisher nicht ankam.

Anders als viele Anbieter setzt ONINO konsequent auf regulierte Wertpapiere. Alles, was auf der Plattform passiert, ist geprüft und rechtskonform. Die Blockchain-Technologie läuft im Hintergrund und macht Prozesse effizienter. „Unsere Nutzerinnen und Nutzer sehen davon nichts. Sie bekommen einfach eine Plattform, die funktioniert“, macht Alexandre deutlich. Automatisierung senkt die Kosten und sorgt dafür, dass nicht nur Millionensummen attraktiv sind, sondern auch kleine Tickets. Einstiegshürden fallen und Investieren wird breiter zugänglich.

White-Label schon am Markt – der Hub folgt

Zugleich denkt ONINO das Modell zweigleisig: White-Label für Banken und Organisationen, die ihre eigene Plattform unter eigenem Branding betreiben möchten. Und der eigene ONINO-Hub, der im Oktober startet. „Das ist unser Schaufenster“, erklärt Alexandre. „Hier zeigen wir, wie das Ganze aussieht und funktioniert. Parallel zu den Plattformen, die unsere Partner schon einsetzen.“ Diese Kombination von White-Label und eigenem Hub ist selten und soll ONINO den entscheidenden Skalierungsschub geben.

Mittlerweile arbeitet ONINO mit einem divers besetzten Team von zehn Personen, verteilt über mehrere Länder. Wie man ein solches Team führt und dabei selbst im Gleichgewicht bleibt, beschreibt Alexandre so: „Stress entsteht nicht durch die Menge an Aufgaben, sondern durch den falschen Umgang mit ihnen. Das Ganze ist ein Marathon, kein Sprint“, sagt er. Für ihn bedeutet Unternehmertum nicht Nachtschichten und Hustle-Culture, sondern nachhaltiges Wachstum. Für sich selbst, für das Team und für das Produkt.

Eng verwurzelt: Vom CyberLab zum Goldsponsor

Die Verbindung zum CyberForum ist eng. ONINO wuchs im CyberLab Accelerator-Programm, nutzte Mentoring und Formate wie das Gründergrillen und ist inzwischen CyberForum-Goldsponsor. Für den Gründer ein logischer Schritt: „Wir wollten etwas zurückgeben und gleichzeitig sichtbar bleiben. Heute sind wir nicht mehr nur ein Team aus dem Accelerator, sondern ein Unternehmen, das auch für andere im Netzwerk konkrete Lösungen bietet.“

Der nächste große Schritt ist zum Greifen nah: Im Oktober geht der eigene Hub live. Damit will ONINO zeigen, wie Finanzierung einfacher und zugänglicher werden kann. Ein Schritt, der nicht nur für Investoren und Unternehmen spannend ist.