Auf einen Kaffee mit Anja Spinner – CyberEdition

CyberForum 21.08.2025
Anja Spinner und Ariane Lindemann bei "Auf einen Kaffee mit"
Anja Spinner (links) und Ariane Lindemann (rechts)

Führung lernt man nicht im Sitzen

Führung ist ein großes Wort. Fast ein Zauberwort. Jede:r redet darüber. Die wenigsten haben dafür ein verlässliches Rezept. In deutschen Unternehmen wird darüber gestritten, ob man nun agil oder hybrid führen soll, ob Transparenz wichtiger ist als Autorität, ob man Mitarbeitende mitreißen oder besser einbeziehen muss. Währenddessen sitzt der Projektleiter ratlos vor seinem Team, das innerlich schon ausgestiegen ist.

Die Lücke, auf die niemand vorbereitet ist

Die Wahrheit ist unbequem: Die meisten Führungskräfte wurden nie wirklich darauf vorbereitet. Sie waren gute Fachleute – und wurden befördert. Plötzlich sollen sie motivieren, Konflikte lösen, Veränderungen managen. Viele stolpern, manche resignieren. Und über allem lastet die neue Schwerkraft namens Künstliche Intelligenz. Wer nicht weiß, wie man Menschen durch technologische Umbrüche führt, verliert nicht nur Projekte, sondern Vertrauen.

Fachwissen genügt nicht mehr

Genau an dieser Sollbruchstelle arbeitet Anja im CyberForum. Sie entwickelt Programme für Führungskräfte, die tiefer gehen müssen, weil die alten Antworten nicht mehr tragen. Bevor ein neues Angebot entsteht, geht sie an die Stellen, die Routine nicht lösen kann: in Gespräche mit Geschäftsführern, in Alumni-Treffen, in kleine Runden, in denen klar wird, was wirklich fehlt. „Wir beobachten nicht nur den Markt – wir hören genau zu, wo der Schuh drückt“, sagt sie.

Gegenwind als Trainingspartner

Die Leadership-Weiterbildungen im CyberForum wirken nicht wie Seminare, sondern eher wie ein Stresstest. Acht Monate, kleine Gruppen, Peer-Sessions, individuelle Coachings. Man sitzt nicht im Plenum und nickt, sondern muss zeigen, wie man mit Widerständen umgeht. Wer nur auf ein paar Tools hofft, merkt schnell: Hier geht es um Selbstführung, Resilienz, um die eigene Haltung.

Anja entwickelt die Programme, wählt die passenden Referent:innen aus und achtet darauf, dass Inhalte nicht im Abstrakten verharren, sondern im Arbeitsalltag wirken. „Wissen allein verändert nichts. Erst der Transfer macht den Unterschied“, sagt sie.

Wirkung entsteht im zweiten Akt

Und weil Transfer Zeit braucht, hören die Programme nicht nach einem Wochenende auf. Alumni-Treffen verlängern die Erfahrung, Netzwerke entstehen, in denen sich Themen weiterdrehen. Mancher, der anfangs mit Skepsis kam, spricht später davon, dass er die Treffen vermisst, „fast wie eine Therapiesitzung – nur besser“.

Zwischen Campus und Büro

Parallel zu ihrem Job im CyberForum studiert Anja Wirtschaftspsychologie im Master, berufsbegleitend. Vormittags CyberForum, nachmittags Uni. Anstrengend? „Klar“, sagt sie, „aber es schärft meinen Blick dafür, was Weiterbildung heute leisten muss: mehr als Wissensvermittlung, nämlich Räume, in denen man ausprobieren darf, auch scheitern, ohne dass gleich die Karriere leidet.“