Auf einen Kaffee mit Dr. Friedrich Georg Hoepfner, 53 Jahre Business Angel.

CyberForum 11.12.2025

Die Hoepfner-Villa wirkt aus der Ferne wie eine Geschichte, die man als Kind nur halb versteht: Mauern, die mehr verbergen als zeigen. Ein Anwesen, das man jahrelang nur umrundet, ohne zu wissen, was dahinter beginnt. Und irgendwann, Jahrzehnte später, sitzt man selbst dort – am großen Tisch, in einem hohen holzvertäfelten, herrschaftlichen Raum, vor einem Mann, der das Karlsruher Gründungsökosystem geprägt hat wie kaum ein anderer: Dr. Friedrich Georg Hoepfner. Gründer des CyberForum. Unternehmer. Business Angel seit einer Zeit, in der niemand so hieß. 53 Jahre Erfahrung, 100 Beteiligungen, 12 Pleiten, über 20 Millionäre – bisher. Und ein feiner Humor, getragen von neugieriger Gelassenheit. 

Für dieses Gespräch hat Ariane Lindemann ihn in seiner Villa besucht. 

Der Anfang: Als Gründen noch nicht Startup hieß 

Wenn Hoepfner erzählt, ist es, als würde jemand eine Kiste öffnen, in der 50 Jahre deutsche Innovationsgeschichte in Anekdoten abgelegt sind. Bevor er zum Business Angel wurde, war er vieles: Student, der sich sein Studium mit technischen Gründungen finanzierte. Betriebswirt, Braumeister, später promoviert. Und Unternehmer in Branchen, die kaum zusammenpassen – Sport, Spezialtiefbau, Textilien, Management-Training. 

Er führte die Hoepfner-Brauerei über viele Jahre und machte sie zu einem der hundert größten Braubetriebe Deutschlands, bevor er sie an eine Holding verkaufte. Erst danach entstand der Raum für das, was ihn bis heute prägt: Gründer begleiten, Unternehmen aufbauen, Beteiligungen eingehen. Für dieses Wirken wurde er 2010 unter anderem als „Business Angel des Jahres“ ausgezeichnet. 

Hoepfner beschreibt seinen Einstieg als Mitunternehmer von technischen Gründern aus einer Zeit, in der Startups schon existierten, aber der Begriff noch nicht. Er war Student und übernahm das, woran viele bis heute scheitern: das Kaufmännische. „Ich habe nachts Buchhaltung gemacht, handschriftlich mit amerikanischem Journal, auf diesen endlosen Papierbögen, bei denen jeder Zahlendreher fatal war“, erinnert er sich. „Mein Lieblingsfach war das nicht.“ 

Dass seine ersten Geschäftsmodelle heute belächelt würden, erwähnt er mit der Gelassenheit eines erfahrenen Unternehmers. „Damals war es einfach logisch: Sie erfinden, ich verkaufe. Sie 75%, ich 25.“ Er sagt es, als sei es die normalste Idee der Welt. Vielleicht war sie genau deshalb so tragfähig.  

Der erste Pivot in Hoepfners Gründergeschichte 

Hoepfners Gründerkarriere begann auf einem schneeverwehten Startpodest. Er erzählt von den Deutschen Meisterschaften, bei denen seine Startnummer so hoch war, dass die Piste bereits durchlöchert war wie eine Kraterlandschaft. Neben ihm: ein japanischer Ingenieur namens Kunihiko. Die beiden jungen Männer harrten frierend im Schneetreiben aus und zwischen Kälte und Warten diskutierten sie Kunis Idee, die Hoepfners erstes Unternehmen begründen sollte: japanische Spezialtechnologien für den Tiefbau nach Deutschland holen. Später die Realität: Niemand wollte sie kaufen. 

Es war die Geburtsstunde seines ersten Pivots – lange bevor der Begriff in Business Schools gelehrt wurde. „Wir haben Interessenten mit Kunden verwechselt“, sagt er. „Ein Anfängerfehler. Und einer, den ich 50 Jahre später noch in jedem zweiten Pitch sehe.“ Also Geschäftsidee umdrehen. So verkauften sie eben Wein nach Japan. Nicht geplant, kaum strategisch – aber wirkungsvoll genug, um mit einer anderen Idee durchzustarten (die Firma existiert heute noch!).  

„Meine Erfahrung war wertlos“ – und was ein Business Angel nicht sein darf 

Wertlos, sagt Hoepfner, sei seine Erfahrung manchmal gewesen. Nicht, weil sie falsch war. Sondern weil die Welt sich schneller veränderte, als man es nachrechnen konnte. Er erzählt von einem Projekt, das er ablehnte, weil er überzeugt war, dass bestimmte Zielgruppen „niemals“ ihre Daten korrekt ins Internet eingeben würden. Das Unternehmen ist heute über eine Milliarde wert. Und dann der zweite Fall: teure Sammlerstücke, online bestellt. Für ihn damals unrealistisch. 
Heute: ein Milliardenmarkt. 

Er ist Einer, der eigene Fehleinschätzungen auch mal zugibt: „Was ich in 53 Jahren Gründungsbegleitung gelernt habe, passt in vier Schlagworte: Keine Eitelkeit. Keine Rechthaberei. Kein Belehren. Kein Prestige-Invest. Wer Zukunft ermöglicht, muss bereit sein, gegen die eigene Erfahrung zu investieren. Vielleicht ist es genau das, was ihn von vielen unterscheidet.  

Warum 12 von 100 scheiterten und viele Erfolg hatten 

Von seinen rund 100 Beteiligungen sind 12 gescheitert. Viele Unternehmer würden diese Quote als Trophäe vor sich hertragen. Hoepfner nicht. Er spricht lieber darüber, was die erfolgreichen Gründer auszeichnete. „Es waren nie die lautesten“, sagt er. „Es waren die Lernfähigsten. 98% aller Startups machen später etwas anderes als das, womit sie begonnen haben.“ Und fügt hinzu: „Gründer müssen das aushalten.“ 

Er erzählt von Teams wie heat it, die ihn bis heute beeindrucken: weil sie hochqualifiziert, bodenständig und lernbereit sind. Und er erzählt von jenen, bei denen er es früh wusste, aber nicht sagen durfte: „Die Idee wird in zwei Jahren nicht mehr existieren. Aber die Personen werden sich weiterentwickeln. Und das ist wichtiger.“  

CyberForum: Ein Start, der kaum ahnen ließ, was folgt 

1997 initiierte er das CyberForum. Als Antwort auf eine IT-Landschaft in Karlsruhe, die Austausch, Beratung und Orientierung dringend brauchte. Im Kern war es nie ein Ort, sondern ein Versprechen: Wer gründet, soll ein Umfeld haben, das unterstützt.  

Die ersten Büroräume lagen unter der Malzfabrik. Sie waren schlicht, billig, improvisiert. 
Das Gegenteil von dem, was später in den Hochglanzgebäuden des IT-Clusters entstand. Und doch begann dort etwas, das heute rund 1.300 Mitgliedsunternehmen trägt und maßgeblich dazu beiträgt, dass fast 50 % der Gewerbesteuer der Stadt Karlsruhe aus der IT-Wirtschaft kommen. „Die 100.000 Mark Startbudget waren das beste Investment, das die Stadt je gemacht hat“, sagt er trocken (weitere 200.000 kamen von der Sparkasse, der Volksbank und anderen Sponsoren). 

Den Satz kann man so stehenlassen.  

„Es macht unheimlich Spaß, neue Ideen am Markt durchzusetzen.“ Das ist sein Fazit aus 53 Jahren Business Angel.  Auf der Visitenkarte seiner Beteiligungsgesellschaft steht: Helping you to start up. Es geht nicht ums Geld. Es geht darum, etwas zu bewirken.  

Und heute? 

Heute arbeiten unzählige Startups in der ehemaligen Malzfabrik – einem Ort, der zu einem der prägenden Knotenpunkte der Karlsruher Innovationslandschaft wurde. Das CyberForum gehört inzwischen zu den stärksten Gründungsnetzwerken Europas. Sein Wirken hat dieser Region ein Fundament gegeben, auf dem erfolgreich weitergebaut wird. Vielleicht ist das sein größtes Vermächtnis: Nicht nur, dass er Unternehmen gebaut hat. Sondern dass durch ihn auch andere es konnten.