Anti-Prism-Party 2. Staffel – Karlsruhe schützt sich selbst

CyberForum 14.02.2014

Fast wöchentlich werden neue Einzelheiten über die Abhörmaßnahmen der NSA bekannt. Dadurch wird die Wichtigkeit von Schutzmaßnahmen deutlich, denn nicht nur Viren und Trojaner bedrohen Rechner und Daten, sondern das Internet als Ganzes droht zu einer Überwachungsinfrastruktur zu werden. Vielen Internet-Nutzern ist jedoch nicht bekannt, wie sie sich davor schützen können. Dabei ist das meist gar nicht so schwierig: Oft erzielen bereits kleine Einstellungen eine große Wirkung. Außerdem gibt es zahlreiche hilfreiche Tools, viele davon sogar kostenlos. Welche davon kann man empfehlen?

Bereits am 5. September 2013 waren etwa 600 Besucher der Einladung der Karlsruher IT-Sicherheitsinitiative (KA-IT-Si) zur ersten Anti-Prism-Party gefolgt, um sich über die Möglichkeiten zum Selbstschutz zu informieren. Aufgrund der großen Nachfrage fand am vergangenen Mittwoch (12.02.2014) eine Neuauflage der Veranstaltung im ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe statt. Diese von der Karlsruher IT-Sicherheitsinitiative initiierte "Anti-Prism-Party 2. Staffel", die maßgeblich vom
CyberForum e.V., dem Kompetenzzentrum für angewandte Sicherheitstechnologie (KASTEL) und dem ZKM | Karlsruhe unterstützt wurde, lockte insgesamt 900 Interessierte ins ZKM.

Am Vor- und Nachmittag besuchten 300 Schüler und Auszubildende aus dem Raum Karlsruhe die angebotenen Sonderveranstaltungen: Eine Führung durch das Kryptologikum des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) brachte den Teilnehmern auf spannende Art und Weise grundlegende Kenntnisse der Kryptographie – der Lehre von der Verschlüsselung von Nachrichten – näher und zeigte historische Verschlüsselungsmaschinen aus dem vergangenen Jahrtausend. Im Security Kino sensibilisierten kurze Videosequenzen für die Themen IT-Sicherheit und Datenschutz im Internet, und in Kurzvorträgen von Karlsruher Sicherheits-Spezialisten wurden konkrete Schutzmöglichkeiten vorgestellt und demonstriert.

Am Abend begrüßte Dirk Fox, Geschäftsführer der Secorvo Security Consulting GmbH und Mitinitiator der Karlsruher IT-Sicherheitsinitiative, zusammen mit David Hermanns, Geschäftsführer des CyberForum e.V., die Teilnehmer im Medientheater des ZKM. Da die Besucherzahl von über 600 Teilnehmern die Kapazität des Medientheaters überschritt, erfolgte eine Liveübertragung der Vorträge ins Foyer des ZKM.

Zum Einstieg erläuterte Prof. Dr. Müller-Quade vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) einige historisch bedeutsame Lehren, die den Weg von der zunächst eher experimentellen Verschlüsselungstechnik zur modernen, wissenschaftlich fundierten Kryptographie geebnet hatten. Im Anschluss wurde in sechs packenden Live-Vorführungen rund um E-Mail-Verschlüsselung,
sicheres Instant Messaging, Datensicherheit auf dem PC und in der Cloud, anonymes Surfen und Passwort-Schutz anschaulich wichtigste Schutzmaßnahmen vorgestellt.

Nach den Kurzvorträgen der Experten konnten die Teilnehmer sich an acht Vorführ-Stationen im Foyer des ZKM weitere Schutzmechanismen erläutern lassen. Die Krypto-Experten des CrypTool-Projekts, von Secorvo, befine-solutions, Fraunhofer IOSB, Datenschutz individuell, vivaSoft, Connect und TechniData erläuterten unter anderem, wie man User-Tracking im Internet verhindern kann, E-Mails und Festplatten verschlüsselt, Surfspuren vermeidet und sicher mit sozialen Netzwerken umgeht. Bis in die späten Abendstunden bekamen die Teilnehmer ihre Fragen an den Stationen beantwortet. Dabei wurden sie für das Thema Datenschutz sensibilisiert, mit praktischen
Tipps versorgt und auf geeignete, überwiegend kostenfreie Tools hingewiesen.

Auf dem Museumsbalkon des ZKM konnten die Teilnehmer an einer Führung von Professor Dr. Müller-Quade durch das Kryptologikum des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) teilnehmen. Die Intension der Ausstellung ist, die Prinzipien der Kryptographie spielerisch zu vermitteln. Neben Mitmachstationen bekamen die Besucher auch historische Verschlüsselungsmaschinen zu sehen, unter anderem die „Enigma“ aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Parallel konnten die Besucher das „Security Kino“ besuchen und sich ab 20:30 bei einer Live-Hacking-Vorführung im Foyer der Experten von Secorvo davon überzeugen, wie leicht es bei fehlenden Schutzmechanismen unberechtigten Dritten gelingen kann, auf Kommunikationsdaten und Passwörter zuzugreifen.

Das Kryptologikum kann noch bis einschließlich Freitag im ZKM besucht werden.
Handouts und Links zu allen bei der Anti-Prism-Party vorgestellten Schutzmechanismen stehen online unter http://www.anti-prism-party.de zum Download zur Verfügung.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der landesweiten Initiative „smart businessIT: Die IT stärken. Das Land vernetzen“ statt. Die Initiative zielt darauf ab, den IT-Standort Baden-Württemberg zu stärken und bei Anbietern wie Anwendern dieser Branche für eine hohe Innovationsdynamik zu
sorgen. Unterstützt wurde die Veranstaltung außerdem vom Projekt
Be Wiser.