Brückenköpfe zwischen Migrantenorganisationen und Bildungsangeboten

CyberForum 05.03.2012

Karlsruhe, 02.03.2012: Die Bildungs-, Ausbildungs- und Weiterbildungssituation von Migrantinnen und Migranten ist teilweise besorgniserregend. Bisher müssen die Akteure der beruflichen Bildung und Beratung oft erhebliche Hindernisse überwinden, ehe sie Migrant/innen erreichen. Das soll sich ändern: Das BMBF-Begleitprojekt „Mit Migrant/innen für Migrant/innen“ zielt darauf ab, die berufliche Integration von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit und ohne Migrationshintergrund zu verbessern. Nötig sind dazu interkulturelle Kooperationen, Netzwerke und Initiativen. Eine wichtige Rolle spielt die Förderung und Schulung von Bildungsbeauftragten aus den Migrantenorganisationen. Auf einer Kooperationsveranstaltung des CyberForum, der IHK Karlsruhe und der MOZAIK gGmbH wurde das Projekt Karlsruher Migrantenorganisationen vorgestellt und die Zusammenarbeit mit dem Projekt „Finish IT“ erläutert.

Regeleinrichtungen der beruflichen Beratung und Bildung erreichen die Zielgruppe der Migrant/innen nicht oder nur schwer. Denn bisher fehlt es an stabilen Kontakten zu Migrantenorganisationen, von denen es in Deutschland ca. 20.000 gibt. Rund 60% der Migrant/innen könnten über diese Organisationen angesprochen werden. Auf der einen Seite stehen also die Migrantenorganisationen und auf der anderen regionale Arbeitsmarktakteure. Die Aufgabe besteht nun darin, beide zusammen zu bringen.

Darauf zielt das bundesweite Begleitprojekt „Mit Migrant/innen für Migrant/innen – interkulturelle Kooperation zur Verbesserung der Bildungsintegration“. Dieses Begleitprojekt wird, wie Finish IT, gefördert als „Perspektive Berufsabschluss Projekt“ vom BMBF und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds. Ein wichtiger Bestandteil des Projekts sind Bildungsbeauftragte. Sie sind selbst Migrant/innen und entweder Mitglieder einer Migrantenorganisation oder bieten Beratungen an unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Organisation. Die Unterstützung der Migrant/innen in den Themenfeldern Arbeit und Bildung ist ein Teil ihrer Arbeit. Außerdem nehmen sie eine Brückenfunktion ein zwischen Bildungs- und Beratungsträgern, Agenturen, Netzwerkakteuren und natürlich Migrant/innen.

Die Bildungsbeauftragten gehen mit den Projektträgern – MOZAIK gGmbH und Finish IT – feste Kooperationen ein und erhalten dafür eine monatliche Aufwandsentschädigung. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die Mitglieder von Migrantenorganisationen meistens ehrenamtlich arbeiten und nur begrenzte Kapazitäten zur Verfügung stellen können. Der Wissenstransfer zwischen Institutionen und Organisationen macht die Bildungsbeauftragten zu kompetenten Ansprechpartner/innen.

Bei einer vom CyberForum e.V. initiierten Veranstaltung informierten sich 20 Vertreter/innen von Migrantenorganisationen und Institutionen über das interkulturelle Kooperationsprojekt zwischen der MOZAIK gGmbH und dem Projekt „Finish IT“. Weitere Kooperationspartner sind die IHK Karlsruhe, die Agentur für Arbeit und freien Bildungsanbietern wie der Lutz & Grub AG. Gesucht werden derzeit interessierte Bildungsbeauftragte.

Förderhinweis: „Perspektive Berufsabschluss“ ist ein Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, das durch strukturelle Veränderungen den Anteil von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ohne beruflichen Abschluss dauerhaft senken will. 98 Projekte sollen dafür Netzwerke in zwei unterschiedlichen Förderschwerpunkten nachhaltig etablieren. „Regionales Übergangsmanagement“ stimmt an 56 Standorten die verschiedenen bereits vorhandenen Förderangebote und Unterstützungsleistungen aufeinander ab, um Jugendlichen den Anschluss von der Schule in eine Berufsausbildung zu erleichtern. „Abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung“ schafft durch 42 Projekte geeignete Rahmenbedingungen, um an- und ungelernten jungen Erwachsenen mit und ohne Beschäftigung einen nachträglichen Berufsabschluss zu ermöglichen. „Perspektive Berufsabschluss“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung aus Bundesmitteln und von der Europäischen Union aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds in den Jahren 2008 bis 2013 mit insgesamt rund 67 Mio. Euro finanziert.

Über MOZAIK gGmbH

Die MOZAIK gGmbH ist 2003 in Bielefeld durch Akademiker mit Einwanderungsgeschichte gegründet worden. Die MOZAIK gGmbH führt seitdem bundesweit interkulturelle Bildungs- und Beratungsprojekte durch.
Die Zielgruppen sind Menschen mit Einwanderungsgeschichte, aber auch Organisationen der Arbeitsmarktintegration und Kommunen. MOZAIK hat sich auf die Behebung von Hindernissen im Zusammenhang mit Ausbildungs-, Weiterbildungs-, und Arbeitsmarktintegration von MigrantInnen spezialisiert und hierfür innovative Lösungen und Angebote konzipiert, die bundesweit Anerkennung gefunden haben. Die Entwicklung von Empowerment-Ansätzen insbesondere mit Migrantenorganisationen zur interkulturellen Öffnung der Regeleinrichtungen des Arbeitsmarktes ist ein besonderer Schwerpunkt der (beruflichen) Integrationsarbeit.