Initiative „SmarterCity“ will Lebensqualität in Karlsruher Stadtteilen verbessern

CyberForum 19.08.2014

Karlsruhe, 19. August 2014. Karlsruhe und seine Stadtteile für den Bürger so attraktiv und lebenswert wie möglich zu machen – das ist nicht nur Ziel der Ortschafts- und Gemeinderäte, sondern auch Anliegen der Einwohner selbst. Um ihre Meinungen zu erfahren und diese in ein Stadtteilkonzept einfließen zu lassen, lud die Initiative „SmarterCity KA“ gemeinsam mit dem CyberForum und dem Stadtamt Durlach im Juli nach Durlach zum World Café „SmartQuarter“. Ziel der Veranstaltung war es, gemeinsam Herausforderungen und Probleme, welche Durlach konkret betreffen, in verschiedenen Themenbereichen herauszuarbeiten und gleichzeitig Ideen zu diskutieren, wie diesen Herausforderungen begegnet werden kann.

„Energie“, „Mobilität und Verkehr“, „Menschen und Lebensqualität“, „Verwaltung und Sicherheit“ sowie „Gewerbe, Logistik und Versorgung“ waren die Fokusthemen des World Cafés in Durlach am 16. Juli 2014. Bürger und Ortschaftsräte bewerteten innerhalb dieser Themenfelder jeweils, was sie positiv bzw. negativ finden und gaben Vorschläge für die Lösung negativer Aspekte sowie generelle Anregungen. „Unser Ziel ist es, dass Erkenntnisse aus den regionalen Hochschulen und Forschungseinrichtungen mit den Bedürfnissen der Bürger abgestimmt werden und in die moderne Stadtentwicklung einfließen. So tragen sie zu einer höheren Lebensqualität für Jung und Alt bei“, so David Hermanns, Geschäftsführer des CyberForum, „damit sich in Karlsruhe eine moderne Urbanität für die Bürger entwickeln kann.“

Die Veranstaltung wurde im Rahmen des Projektes „CentraLab“ durchgeführt, welches im CENTRAL EUROPE-Programm implementiert und durch den Europäischen regionalen Entwicklungsfond ko-finanziert wird. CentraLab befasst sich u. a. mit offenen Innovationsprozessen (Open Innovation), welche durch die Beteiligung von Bürgern bei urbanen Fragestellungen zu innovativen Lösungen für eine nachhaltige Stadtentwicklung führen sollen.

Wunsch nach regenerativen Lösungen
Bereits das erste Handlungsfeld „Energie“ lieferte interessante Einblicke in die Bedürfnisse und Wünsche der Anlieger. So verhindere der Denkmalschutz oftmals den Einsatz von Solarlösungen und auch die Stromversorgung in Durlach sei durch veraltete Trafostationen regelmäßig unterbrochen. Ideen für die Lösung dieser Herausforderungen waren bspw. ein Solarpark, das Teilen privat erzeugter Energie unter mehreren Anwohnern oder auch die Errichtung regenerativer Stromtürme für die einzelnen Gewerbegebiete.

Ideenreich wurde auch dem Thema „Mobilität und Verkehr“ begegnet. Ein Parkleitsystem sowie ein Parkhaus mit Dauerparkplätzen, insbesondere für Unternehmen, waren nur zwei der zahlreichen Vorschläge zur Verbesserung der Verkehrssituation in Durlach. Die schon bestehende „Brötchentaste“ für Kurzzeitparker fand bei den Teilnehmern des World Cafés großen Anklang. Mit vermehrten Abstellmöglichkeiten sowie mit den sogenannten Fächerrädern sollten auch Fahrradfahrer weiter unterstützt werden. Diskutiert wurde zudem der Straßenbelag: Während einige zur Verminderung des Verkehrslärms das Kopfsteinpflaster durch Asphalt ersetzen würden oder zumindest Lösungsideen bei anderen Städten mit Kopfsteinpflaster einholen möchten, beharrten andere Teilnehmer auf das Erscheinungsbild des Innenstadtkerns, das gerade durch das Pflaster geprägt wird.

Bewertung von Lebensqualität und Gewerbe legt Handlungsspielräume offen
Im Handlungsfeld „Menschen und Lebensqualität“ wurden die Eingaben der Teilnehmer eingeteilt in „Senioren und Menschen mit Behinderung“, „Miete und Wohnen“, „Kultur und Tourismus“ sowie „Freizeit“. Positiv bewertet wurde dabei die Integration von Menschen mit Behinderung ebenso wie Betreuungsangebote für Senioren und die Vermittlung von „Leih-Omas“. Hingegen fielen die sehr langen Beantragungsverfahren für Pflegeheime, ungünstige Einkaufsmöglichkeiten für Senioren in ihrem Wohnumfeld sowie allgemein die Überalterung der Durlacher Bevölkerung als verbesserungswürdig ins Gewicht. Auch die geringe Nutzung des Schlossparks, sowohl privat als auch kulturell, und das geringe Freizeitangebot für Jugendliche wurden durch die Teilnehmer bemängelt. Lösungsmöglichkeiten sahen sie u. a. in dem Zugewinn an Touristen durch die stärkere Verbreitung von QR-Codes an Sehenswürdigkeiten, die verstärkte Kommunikation der Möglichkeit eines Rundgangs durch Durlach, die Einrichtung von Treffpunkten für Jugendliche sowie in nicht-vereinsgebundenen Begegnungsmöglichkeiten auf der Unteren Hub.

Auch im Bereich Gewerbe wurden Handlungsspielräume offengelegt. So wurden der punktuell auftretende Leerstand sowie die hohen Mietpreise negativ angemerkt und angeregt, leerstehende Gewerbeflächen zum Beispiel durch eine Verknüpfung mit kulturellen Veranstaltungen wie Ausstellungen besser zu nutzen. Im Bereich Logistik wurde als Lösungsansatz für den begrenzten/engen Raum und das hohe Verkehrsaufkommen die Koordination bzw. Bündelung von Zulieferungen genannt.

Gewünscht wird zudem ein öffentliches WLAN wie in Karlsruhe-Stadt bzw. die Ausstattung öffentlicher Plätze mit WLAN zur Aufwertung von Gastronomie und Handel. Gerade letztgenannter Bereich bewegt die Gemüter: Zwar wurde positiv gewertet, dass noch immer viele kleine Geschäfte unabhängig von Handelsketten existieren und die wohnortnahe Versorgung durch den CAP-Markt stattfindet. Die uneinheitlichen Öffnungszeiten, das Aussterben inhabergeführter und konsumentennaher Geschäfte, das geringe gastronomische Angebot sowie die fehlende Lenkung, wo welche Gewerbe einziehen, warfen jedoch den Wunsch nach Optimierung auf. Als Anregungen wurde die Entwicklung einer „Stadtteil-App“ eingebracht, die einen Überblick über das bestehende Gewerbe bietet, sowie die Entwicklung von Sharing-Konzepten zur symbiotischen Nutzung von Gewerbeflächen.

Ergebnisse gehen an die Stadt
Aus den zutage geförderten Wünschen der Bürger wurden alle Ergebnisse durch das CyberForum zusammengetragen. Damit diese auf lange Sicht realisiert werden können, bedarf es nun der Zusage der Stadt Karlsruhe. Erst dann können die Ergebnisse präzise beschrieben, nach Bedarfslagen priorisiert und in einer Analyse evaluiert werden. Die Durchführung weiterer Veranstaltungen nach dem Vorbild Durlachs wird angestrebt, um die Stadt als Ganzes und die einzelnen Stadtteile Karlsruhes weiterhin attraktiv gestalten und lebenswert halten zu können.

Weitere Informationen zur Initiative „SmarterCity KA“ finden Interessierte unter http://www.cyberforum.de/angebote/fuer-forschung-lehre/forschungsprojekte/smartercity/

und zum Projekt CentraLab unter www.centralivinglab.eu.




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