Karlsruher Pioniere erobern den Westen

CyberForum 30.01.2013

Ihr habt kürzlich das Silicon Valley besucht – Beschreibt Eure Eindrücke in drei Worten.

Leidenschaft, Begeisterung, Wille.

10 Tage, 20 Pioniere – Wie habt Ihr die Reise finanziert? Etwa die Vereinskasse geplündert?

Die hätte für eine solche Tour leider nicht gereicht ;) Nein, im Ernst. Wir haben uns hauptsächlich über unsere Sponsoren finanziert. Da ist auf der einen Seite hub:raum von der Telekom, die gleich einen Accelerator und einen Inkubator unter dem Namen hub:raum in Berlin ins Leben gerufen haben. Dazu kam ein sehr erfolgreiches Crowdfunding Projekt auf startnext.de, bei dem vor allem unser Shirtsponsor – die Signeo GmbH – einen großen Beitrag geleistet hat. Und zum Schluss konnten wir noch einige externe Teilnehmer gewinnen, die nicht nur durch ihre Teilnahme unsere Tour bereichert haben, sondern  durch ihren Beitrag auch zur Realisierung der Tour beigetragen haben.

Ihr habt Unternehmen wie Google, Mozilla und Twitter besucht - Wie sieht es bei diesen Internet Giganten „zuhause“ aus?

Ein Bällebad, ein kaputter Aufzug und die wohl beste Kantine des Valleys. Das sind wohl die prägenden Erinnerungen an die drei bekanntesten Unternehmen, die wir besucht haben.

Der Campus von Google ist beeindruckend: es gibt ein eigenes Fitness-Studio, ein Beachvolleyballfeld, kostenlose Snacks und Getränke an jeder Ecke. Natürlich haben wir auch dem berühmten Bällebad einen Besuch abgestattet. Man merkt sofort, dass die Angestellten sich wohl fühlen und dort gerne und motiviert arbeiten. Dies liegt nicht zuletzt auch an den sehr flexiblen Arbeitszeiten und der Regelung, dass jeder Angestellte 20% seiner Zeit mit einem selbst gewählten eigenen Projekt verbringen kann.

Zu unserem Termin bei Mozilla kamen wir leider mit reichlich Verspätung an. Der Grund: Der Aufzug, der uns in den 5. Stock zum Mozilla Headquarter bringen sollte, machte auf dem Weg nach oben schlapp und wir saßen zu siebzehnt für fast zwei Stunden fest! Wieder befreit, empfing uns Pascal Finette mit kaltem Bier und einem überragenden Vortrag über die Geschichte von Mozilla, seinem persönlichen Werdegang und seinen Ansichten über Entrepreneurship.
Bei Twitter wurden wir sehr herzlich von Thomas Arend empfangen und sogleich zum Mittagessen in der Twitter-Kantine eingeladen. Es war mit Abstand das beste Essen der Tour, dazu kam ein sehr informativer Vortrag über die Entstehung des Unternehmens und persönliche Anekdoten.

Allein der Größe wegen ist natürlich durchaus ein Unterschied zwischen diesen Unternehmen und jungen Startups bemerkbar. Trotzdem hat sich überall die lockere und sympathische Startup-Kultur erhalten, was sich am unkomplizierten Umgang, den großen individuellen Entscheidungsspielräumen und der hohen Motivation der Mitarbeiter sowie ihrer Identifikation mit den Unternehmen zeigt.

Nerds wie Bill Gates, Steve Jobs oder Mark Zuckerberg werden ja heute wie Rockstars gefeiert? Ist Euch ein bekanntes Gesicht über den Weg gelaufen?

Es stimmt, dass diese Persönlichkeiten einen sehr hohen Stellenwert im Silicon Valley genießen. Sie sind einerseits Vorbilder und andererseits Visionäre. Alle hatten ihre eigene Vorstellung und haben diese in ihrem Unternehmen umgesetzt.

Die letztjährige Gruppe war Mark Zuckerberg noch begegnet. Wir hatten kein Aufeinandertreffen mit einer der Valleygrößen. Jedoch eher rockstaruntypisch pflegen diese „Star-Gründer“ ein sehr enges Verhältnis zu ihrer Belegschaft. Bei Google gibt es jeden Freitag „tgif“ (thank god its Friday), ein Event wo sich Larry Page und Sergej Brin den Fragen der Mitarbeiter stellen. Im Allgemeinen hat man doch sehr den Eindruck gewonnen, dass die Startups und Firmen sehr von der Vision und dem Mindset der Gründer geprägt sind. Die Gründer geben eher die Ideologie und das Drehbuch vor. Sie sind mehr Regisseur als Rockstar.

Nach Euren Eindrücken aus dem Silicon Valley: Wie unterscheidet sich die amerikanische Gründerszene von der deutschen?

Ein grundlegender Unterschied zwischen deutschen und amerikanischen Gründern ist, dass diese viel risikoaffiner sind und weniger Angst vor dem Versagen haben. Im Gegenteil: „Celebrate failure, because you can learn so much from it!“ Entsprechend denken viele amerikanische Entrepreneure auch in anderen Maßstäben und verfolgen große Ideen, mit denen sie die Welt verändern wollen: „Think big!“, lautet das Motto.

Was habt Ihr für Euch persönlich und für die Arbeit in der Pioniergarage aus den USA mitgenommen?

Das Silicon Valley funktioniert so gut, weil es eine unglaubliche Hilfsbereitschaft gibt. So wie wir teilweise sehr spontan und leicht an Termine gekommen sind, kann man es wohl generell sehen.

Das dynamische Ökosystem erhält sich selber, indem immer mehr Talente ins Valley kommen und diese durch die schnelle Kontaktaufnahme, die kurzen Wege und den professionellen Support in ihrer Gründung unterstützt werden.
Bezieht man dies jetzt auf die Arbeit in der PionierGarage, so muss man vor allem die Kooperationen mit den Schlüsselfiguren in Karlsruhe stärken. Nur durch ein starkes Netzwerk mit verschiedenen Playern, welche an bestimmten Punkten der Gründung unterstützen und greifen, kann ein Ökosystem entstehen, das eine nachhaltige Gründung ermöglicht.

Nach dem Valley ist vor dem Valley – Wann starten die Vorbereitung für den nächsten Trip?

Eigentlich wollen wir alle sofort wieder hin. Ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht und unser Ziel ist, auf der nächsten Tour wieder neue Gesichter ins Valley zu bringen und diese außergewöhnliche Erfahrung machen zu lassen. Jetzt werden wir in den ersten Wochen des neuen Semesters ein großes Review-Event zu unserer Tour veranstalten und dann beginnt so langsam die Vorbereitung zur dritten Silicon Valley Tour der Pioniergarage.