SmartQuarterVision KA 2030+: Abschluss der Visionswerkstätten

CyberForum 14.12.2015

Im Frühjahr 2015 wurde die Stadt Karlsruhe in Phase 1 des Wettbewerbs "Zukunftsstadt" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter 168 Bewerbern als eine von 51 Zukunftsstädten ausgewählt. Die Stadt Karlsruhe geht hier mit dem Projekt "Zukunftsstadt Karlsruhe - SmartQuarterVision KA 2030+" an den Start.

Das übergeordnete Ziel des Vorhabens SmartQuarterVision KA 2030+ ist die Entwicklung einer Zukunftsvision für die Karlsruher Stadtteile Knielingen und Mühlburg als lebenswerte, nachhaltige und zukunftsfähige Quartiere mit Zeithorizont 2030+. Dabei sollen zukünftige Veränderungen im stadtteilbezogenen Lebensumfeld unter Berücksichtigung ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Aspekte vorausgedacht und unter Mitwirkung der Bürgerschaft sowie weiterer auf Stadtteilebene relevanter Akteure im Rahmen unterschiedlicher Veranstaltungen diskutiert und veranschaulicht werden.

Das Karlsruher Zukunftsstadt-Projekt basiert auf einer stadtteilbezogenen Visionsentwicklung. Im Rahmen der Visionsentwicklung wurden dafür im Laufe des Projektes zunächst die Sichtweisen von spezifischen Bevölkerungsgruppen auf die Zukunft der beiden Stadtteile ermittelt. Im Zeitraum Juli bis Nobember 2015 wurden Workshops mit Schülerinnen und Schülern aus den beiden Stadtteilen durchgeführt, gefolgt von Zielgruppengesprächen mit den dortigen Bürgervereinen sowie mit Seniorinnen und Senioren, Personen mit Migrationshintergrund sowie lokalem Gewerbe und ansässiger Industrie. 


Visionswerkstätten in Knielingen und Mühlburg - Rege Teilnahme von Bürgerinnen und Bürgern

Die sogenannten „Visionswerkstätten“ bildeten die zentralen Veranstaltungen im Rahmen des Projektes SmartQuarterVision KA 2030+. Das Vorgehen basiert auf dem World Café Konzept und wurde vom wissenschaftlichen Partner des Projektes, dem Europäischen Institut für Energieforschung, weiterentwickelt und hier zum ersten Mal eingesetzt.

Am Samstag, den 5. Dezember 2015, fand im Karlsruher Stadtteil Knielingen eine Visionswerkstatt statt. Eine Woche später, am 12. Dezember 2015, gab es eine weitere Visionswerkstatt im Referenzstadtteil Mühlburg. Im Vorfeld hatten sich 50 Teilnehmer für die Veranstaltung in Knielingen und 55 Teilnehmer für die Visionswerkstatt in Mühlburg angemeldet.

Vor dem Hintergrund, dass es sich bei den beiden Terminen jeweils um einen Adventssamstag handelte, bei dem erwartungsgemäß viele Leute eher Weihnachtsgeschenke einkaufen gehen, sind diese Teilnehmerzahlen als sehr positiv zu betrachten. Die Bürger sind augenscheinlich sehr daran interessiert, an der künftigen Gestaltung ihres Stadtteils mitwirken zu können.

Bei der Anmeldung zu den Veranstaltungen konnten die Teilnehmer angeben, welches Thema sie am meisten interessiert. Gewünschte Themen für die Visionswerkstatt Knielingen waren Verkehr, Umwelt, Soziales Miteinander, Nahversorgung und Wohnen. Für die Visionswerkstatt Mühlburg wurden die Themen Verkehr & Mobiltät, Soziales Leben, Natur & Umwelt, Wohnen & Neue Lebensformen, Verwaltung & Partizipation, Nahversorgung und Nachhaltiges Arbeiten präferiert. Die Ergebnisse aus den Zielgruppengesprächen, die im Vorfeld der Visionswerkstätten im Rahmen des Projektes geführt worden waren, flossen in Form von Leitfragen für die verschiedenen Thementische der Visionswerkstätten mit ein.

Nach einer kurzen Begrüßung durch das Projektteam wurde jede der Veranstaltungen offiziell mit einer Ansprache durch den Ersten Bürgermeister Jäger eröffnet, der die Wichtigkeit des Projektes und auch der Bürgerbeteiligung in diesem Zusammenhang und im Rahmen der Veranstaltung nochmals betonte. Zur Visualisierung der Veranstaltungen und ihrer Ergebnisse wurde jeweils ein Konferenzzeichner (sog. Graphic Recording) beauftragt, der während der ganzen Veranstaltung damit beschäftigt war, die stattfindenden Diskussionen und deren Inhalte aufzunehmen und grafisch auf einer Leinwand wiederzugeben.

Im Rahmen der jeweiligen Veranstaltung ging es zunächst darum, Bedürfnisse und Herausforderungen bzgl. der jeweiligen Themengebiete bzgl. des Stadtteils zu sammeln. Dem folgte eine „Reise in die Zukunft von Knielingen/Mühlburg“. Hier konnten die Teilnehmer ihre Ideen einbringen, wie man die vorher gesammelten Bedürfnisse erfüllen oder den Herausforderungen begegnen kann. Im nächsten Schritt ging es darum, diese Ideen zu konkretisieren und bildlich darzustellen, z. B. durch Zeichnungen oder Bastelarbeiten. 

Ähnlich wie bei den vorausgegangenen Zielgruppengesprächen war es eine Herausforderung, die Teilnehmer zum visionären Denken zu ermutigen. Es ging dabei einerseits um den langfristigen Charakter der Ideen, die nicht innerhalb der nächsten 2-3 Jahre eine Rolle spielen, sondern um die generelle künftige Gestaltung des jeweiligen Stadtteils mit Zeithorizont 2030+. Andererseits sollten die Teilnehmer auch versuchen, sowohl bei der Ermittlung von Bedürfnissen, als auch bei der Entwicklung von Ideen die Scheuklappen, die man als Erwachsener meistens mit sich herumträgt, abzulegen und wirklich zu „spinnen“, unabhängig davon, ob das, was sie vorschlagen, überhaupt machbar ist. Im Rahmen der Visionswerkstätten wurden dabei sehr interessante Ideen entwickelt und diskutiert.

Im Rahmen einer „aktiven“ Mittagspause hatten die Teilnehmer dann die Möglichkeit, sich die Ergebnisse der jeweils anderen Thementische anzuschauen und durch Anbringen von Post-its bei Bedarf zu kommentieren. Nach der Mittagspause wurden die Ergebnisse der Thementische präsentiert und unter Berücksichtigung der angebrachten Kommentare gemeinsam diskutiert. Hier wurden Überschneidungen und Konfliktpunkte identifiziert sowie welche Rollen smarte Technologien für die Umsetzung der Ideen haben könnten und wie man sich als Bürger in die Realisierung der Ideen einbringen kann. 

Die Ergebnisse der Veranstaltungen werden nun vom wissenschaftlichen Projektpartner verwendet, um eine Zukunftsvision für den jeweiligen Stadtteil zu ermitteln und zu dokumentieren, die von einer möglichst breiten Akzeptanz der Bürgerschaft getragen wird. Mit diesen Zukunftsvisionen will sich die Stadt Karlsruhe dann für Phase 2 des Wettbewerbs „Zukunftsstadt“ bewerben, in der es darum gehen soll, die Visionen einer Machbarkeitsanalyse zu unterziehen, unter Berücksichtigung technischer, rechtlicher, wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Aspekte. Basierend auf dieser Machbarkeitsanalyse soll dann ein Umsetzungskonzept entwickelt werden.

In Phase 3 des Wettbewerbs, auf die sich die Kommunen ebenfalls neu bewerben müssen, sollen dann bereits erste Ideen in den Stadteilen in sogenannten "Reallabors" umgesetzt werden. Doch selbst wenn die Bewerbung Karlsruhes für Phase 2 scheitern sollte, so konnten doch aus Phase 1 wertvolle Erkenntnisse für die weitere Stadtentwicklung gewonnen werden, die bspw. im Rahmen anderer Förderprogramme umgesetzt werden könnten. 

Im April 2016 werden die Projektergebnisse im Rahmen einer öffentlichen Abschlussveranstaltung offiziell vom Projektteam an die Stadt Karlsruhe übergeben.

Stadtteil-Ideenwettbewerb "Wer wird Visionär?" - Jetzt mitmachen!

Unter wissenschaftlicher Begleitung werden im Rahmen des Projektes verschiedene Formen der Beteiligung zur Visionsentwicklung und Visualisierung angeboten. Ein Baustein davon ist der Wettbewerb „Wer wird Visionär?“. Die Idee dahinter ist, dass Personen mit einem Bezug zu einem der beiden Stadtteile ihre individuelle oder Gruppenvorstellung von der Zukunft ihres Stadtteils veranschaulichen sollen, bspw. in Form von Zeichnungen, Texten, Filmen, Videos, elektronischen Arbeiten, Bastelarbeiten, Collagenbildern mit verschiedenen Materialien etc. Beiträge können sich entweder auf den ganzen Stadtteil oder einzelne Bereiche desselben beziehen. Dem jeweiligen Beitrag sollte auch ein kurzer, erläuternder Text beigelegt werden.

Eine individuelle Vision für den Stadtteil Mühlburg ab dem Jahr 2030, also ein Blick in die Zukunft der eigenen Lebenswelt in 15 Jahren, kann verschiedenste Aspekte beinhalten, von persönlichen Tagesabläufen über neue Begegnungsräume und neue Nutzungsformen des öffentlichen Raums, Verkehrswege, Wohnformen und Freizeitmöglichkeiten bis hin zur Nutzung von neuen Technologien und Strukturen in Arbeitswelt und Privatleben. Was wünschen sich die Mühlburger Bürgerinnen und Bürger für sich selbst und die Menschen in ihrem Stadtteil der Zukunft? Was gibt es zu sehen und zu erleben und wie hört und fühlt sich der zukünftige Stadtteil an welchen Orten an? Wie bewegen sich die Menschen im Jahr 2030+ fort und wie und wo wohnen, leben und arbeiten sie dort?

Zu gewinnen gibt es Preise im Gesamtwert von 500 € in den Kategorien „Kinder“, „Jugendliche“, „Erwachsene“ sowie „Gruppen“. Die Preise werden im Rahmen der Ab-schlussveranstaltung des Projektes im April 2016 von einem offiziellen Repräsentanten der Stadt Karlsruhe an die Gewinner überreicht. Die Einreichung von Wettbewerbsbeiträgen ist bis zum 31. Januar 2016 möglich.

Bei Fragen zum Wettbewerb oder allgemein zum Karlsruher Zukunftsstadt-Projekt kann man sich gerne an folgenden Kontakt wenden: 

Stadt Karlsruhe

Amt für Stadtentwicklung

Büro für Mitwirkung und Engagement

Jessica Deutsch

Zähringerstraße 61

76133 Karlsruhe

Tel.: +49 721 133 1272

Fax: +49 721 133 1209

"SmartQuarterVision KA 2030+" ist ein gemeinsames Projekt der Stadt Karlsruhe, der CyberForum Service GmbH, des Europäischen Instituts für Energieforschung (EIFER) sowie des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).