Verleihung des AppArtAward 2013

CyberForum 15.07.2013

Zum dritten Mal vergibt das ZKM gemeinsam mit dem Partner CyberForum e.V. den AppArtAward für die besten kreativen Entwicklungen im Bereich der mobilen Applikationen. Die Sponsoren und Förderer CAS Software AG, GFT Technologies AG, GRENKELEASING AG, init AG und Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe, übergeben in diesem Jahr den „Künstlerischen Innovationspreis“, den Sonderpreis „Crowd Art“ sowie den Sonderpreis „Augmented Reality Art“, die jeweils mit 10.000€ dotiert sind. Die Ausschreibung lief vom 11. März bis 12. Mai dieses Jahres und richtete sich an KünstlerInnen, GestalterInnen und EntwicklerInnen aus aller Welt.

Mobile Medien sind das aktuelle Kunstlabor.“ (Peter Weibel)

Bei der ersten Vergabe des AppArtAward im Jahr 2011 konnten wir über die breite Resonanz, die die Verleihung bis heute erfahren hat, nur mutmaßen. Wir freuen uns daher sehr, auch 2013 auf ein überaus breites Interesse von Seiten der Entwickler weltweit gestoßen zu sein. Denn auch in diesem Jahr erreichten uns über 100 Einreichungen, deren Besonderheit bereits mit ihrer Herkunft beginnt. Waren es im letzten Jahr noch 13 Nationen kamen die Apps in diesem Jahr aus 23 Ländern – Australien, Brasilien, China, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Indien, Italien, Japan, Kanada, Niederlande, Österreich, Portugal, Schweiz, Serbien, Spanien, Südafrika, Taiwan, Thailand, UK, Ungarn und den USA.

Aus diesen internationalen Einreichungen hat die Jury, die dieses Jahr erstmals durch den Crowdtestinganbieter Testbirds unterstützt wurde, die Gewinner ausgewählt. Der Künstlerische Innovationspreis geht in diesem Jahr an die niederländische Künstlergruppe JODI für ihre Entwicklung ZYX. Die Kunstanwendung, die den Benutzer in einen Performer verwandelt, wird von der Firma CAS Software AG mit einem Preis in Höhe von 10.000€ ausgezeichnet. „Diese App, die nach den Achsen des dreidimensionalen Raums benannt ist, lässt kein anderes Format zu, als am mobile Phone installiert zu sein, das alle permanent in der Tasche haben. (...) Mit dieser App bringen JODI den User an seine physischen Grenzen, in dem einfache Bewegungsabläufe immerzu wiederholt werden müssen, um ins nächste Level zu gelangen, quasi am Leben zu bleiben. Treffen sich mehrere User im selben, neutralen Raum entsteht dadurch eine absurde Performance, die an one minute sculptures, performance art (...) erinnern.“ (Rainer Kohlberger, Visual Artist und Designer, Gewinner des AppArtAward 2011)

Den Sonderpreis Crowd Art in Höhe von 10.000€ erhält Andrew Bluff aus Australien für das „Mobile Phone Orchestra“ – eine App, die die Crowd zum zwingenden Bestandteil einer Performance macht. Anhand von Visualisierungen erlaubt die App einen völlig neuen Blick auf das kollaborative Musikerlebnis und begeisterte damit die Jury: „Experiencing mobile music is a private and emotional endeavour and mobile phone orchestra manages to merge exactly that experience into one collaborative user experience. Beautifully visualised with spectromorphologies, it allows a new view into a collaborative abstract music experience.“ (Sabiha Ghellal, Professorin Mobile Medien, HdM Stuttgart). Der Sonderpreis wird vergeben von GFT Technologies AG und Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe zu je 5.000€.

Mit dem Sonderpreis Augmented Reality Art in Höhe von 10.000€, der von der init AG sowie der GRENKELEASING AG zu jeweils 5.000€ vergeben wird, wird die App ARART ausgezeichnet. Durch Bilderkennung offenbart die Applikation hintergründige und skurrile Animationen, die den Nutzer zwingen, nach versteckten Botschaften zu suchen. Es ist eine App, die den Museumsraum um eine zusätzliche Ebene erweitert: die berühmtesten Kunstwerke werden in einer zweiten Wirklichkeit persifliert und einer filmischen Verwandlung unterzogen: „Plötzlich zerbröckelt die Mona Lisa und wird zu einem alten Mann [Leonardo da Vinci] der seine Finger bewegt. Man ist für einen Moment zwischen der virtuellen und tatsächlichen Realität gefangen und fragt sich: Was wäre wenn? Auf diese Weise erweckt die App nicht nur Gemälde zum Leben sondern auch die kreativen Gedanken des Betrachters.“ (Simon Knipper, Software-Designer, CAS Software AG)

Mit den neuen Preiskategorien Crowd Art und Augmented Reality Art orientiert sich der AppArtAward an aktuellen Entwicklungen innerhalb der Neuen Medien. Der Künstlerische Innovationspreis richtet sich als übergreifende Kategorie an alle kreativen, innovativen App-Entwicklungen, die den künstlerischen Gestaltungsspielraum des Mediums nutzen. Crowd Art bezieht sich sowohl auf das deterritorialisierte, vernetzte Cloud Computing, wie auf die kollektive Kreativität, die dadurch möglich wird. Crowd Art bezeichnet außerdem den Wechsel vom analogen Zeitalter der Produktion (Massenware durch Maschinen etc.) zum Zeitalter der digitalen Distribution (Daten, Medien, Personalisierung: die Masse als Kollektiv von Individuen). Apps auf mobilen Endgeräten sind die globale Versuchsstation für diese neue Kunstform.

Der Augmented Reality Art Award nimmt Bezug auf die Anwendungen der Augmented Reality, die unserer Wahrnehmung der Realität eine weitere Dimension hinzufügen. Die Idee wie auch die aktuellen Möglichkeiten der Umsetzung erweitern unsere Möglichkeiten in einem enormen Maße. Vor dem Hintergrund der Informationsfülle und im Sinne einer intelligenten Visualisierung von Informationen – und nicht zuletzt einer Flow-Control – zeigt sich hier eine Herausforderung an die Kreativität.

Auch in diesem Jahr wird der „Hackathon“ des CyberForums verliehen, dessen Name sich aus den Begriffen „Hack“ und „Marathon“ zusammensetzt. Die Gewinner des diesjährigen Programmier-Wettbewerbs sind Emanuel Jöbstl, Jérôme Urhausen, Tobias Weber und Elisaweta Masserova mit der App „Bitphonie“ für Android.

Preisträger

Künstlerischer Innovationspreis – ZYX, 2012, Applikation für iOS

ZYX ist eine performative App, die den User dazu anleitet, eine Reihe von Bewegungen nacheinander auszuführen und ihn damit einer dissonanten Situation, die sowohl virtuell als auch physisch ist, aussetzt: Während es für Außenstehende lediglich so aussieht, als führe der Benutzer einen bizarren Tanz auf, registriert das iDevice eine korrekt ausgeführte Bewegungsabfolge und belohnt diese mit einem Signalton.

JODI ist ein Künstlerkollektiv bestehend aus Joan Heemskerk, *1968, und Dirk Paesmans, *1965, die in den Niederlanden leben und arbeiten. Bereits Mitte der 1990er-Jahre leisten die beiden Pionierarbeit in der Netzkunst. Sie gehören zu den ersten Künstlern, die die Konventionen des Internets erforschen und unterwandern. JODI veranstalten digitale Interventionen, durch die das Verhältnis zwischen der Computer­technologie und ihren Nutzern hinterfragt und destabilisiert wird.

Sonderpreis Augmented Reality Art – ARART, 2013, Applikation für iOS

ARART verwischt die Grenzen zwischen der realen und der virtuellen Welt, indem das iDevice reale Kunstwerke mit einer neuen Wirklichkeitsdimension überlagert. Historische Hintergrundinformationen werden kreativ vermittelt und ermöglichen dem Betrachter neue Sichtweisen auf das Original.

Kei Shiratori, *1980, lebt und arbeitet in Tokyo. Der Medienkünstler und Musiker arbeitet außerdem als DJ. ma-tilde.com

Takeshi Mukai, *1985, der studierte Medienkünstler, Grafikdesigner und Programmierer arbeitet an der Schnittstelle von Bildender Kunst und neuer Technologie. mukaitakeshi.org

Younghyo Bak, *1980, der Medienkünstler und PhD-Student der Kyoto City University of Arts. yhbak.com

Sonderpreis Crowd Art – Mobile Phone Orchestra, 2012, Applikation für iOS

Mit der App Mobile Phone Orchestra nimmt der User an einem automatisierten, kollaborativen Klangexperiment teil, das die privaten Musik-Libraries der einzelnen Benutzer zu einem öffentlichen Klangraum vereint. Jedes iDevice wird zum individuellen »Soundgeber« und schafft in Kombination mit weiteren Mobilgeräten einzigartige Klangkunstwerke.

Andrew Bluff, *1975, lebt und arbeitet in Sydney. Der aufstrebende Medienkünstler konnte bereits einige preisgekrönte Arbeiten entwickeln. Nachdem er 2012 seinen Bachelor of Sound and Music abgeschlossen hat, beschäftigt er sich nun in erster Linie mit interaktiven Neuen Medien und dem Design von digitalen Musikinstrumenten. rollerchimp.com

Weitere Informationen zur Verleihung des AppArtAward 2013, den Sponsoren sowie den Veranstaltern finden Sie in der Pressemitteilung des ZKM.