„Viel Spirit mitgenommen“ - Bericht aus dem Silicon Valley

CyberForum 28.05.2013
Bundeswirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler und Moritz Luck, Inreal Technologies

„Think Big“. Das ist meine Antwort auf die Frage, was die Gründerszene im Silicon Valley von der deutschen unterscheidet.

Tatsächlich herrscht im Valley eine ganz andere StartUp-Mentalität. Das habe ich bei unseren Besuchen in den Inkubatoren vor Ort bemerkt: Wettbewerb wird dort, solange er fair ist, als positiv empfunden. Wer drei Jahre nach der Gründung noch keinen Mit-Wettbewerber hat, sagt sich: meine Idee ist nicht attraktiv genug für den Markt.

Das Tempo ist hoch: die StartUps müssen im Valley viel schneller herausfinden, ob ihr Geschäftsmodell aufgeht oder nicht. Ein „Fail“ ist aber auch nicht tragisch, man hat dann eben fürs nächste Mal dazu gelernt. In Deutschland wird das immer noch als Stigma, als Makel in der Unternehmerlaufbahn empfunden.

Ins Silicon Valley kam ich durch eine Einladung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Diese Einladung hatten wir aufgrund unserer bisherigen Auszeichnungen erhalten, wie der 2. Preis bei der „IKT-Gründung des Jahres 2013“, den wir als EXIST-StartUp gewonnen hatten. Inreal erhielt nun die Chance, sich für eine Reise ins Silicon Valley zu bewerben – und wir hatten Erfolg.

Am 19.05.2013 hob von Berlin aus die Maschine ab. Mit mir an Bord waren rund 50 StartUps, überwiegend aus der IT-Branche, und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler. Weitere 50 StartUps flogen privat ins Silicon Valley. Ziel der Reise sollte sein, den gegenseitigen Austausch der deutschen und der amerikanischen Gründerkultur zu ermöglichen und die deutsche StartUp-Szene auch vor Investoren zu präsentieren. Denn die Bundesregierung will die Zahl der Gründungen in der digitalen Wirtschaft auf absehbare Zeit hin verdoppeln und den Bereich Risikokapital ausbauen.

Das Programm in Kalifornien war äußerst straff, wir haben zusätzlich zu den Inkubatoren viele Größen des Internets besucht: Facebook, salesforce, Airbnb und natürlich Google. Dabei auffallend sind die beeindruckenden Firmengebäude inmitten schöner Parks. Die Kantine ist faszinierend, mit allerlei internationalen Gerichten und die Mitarbeiter dürfen dort sogar jederzeit kostenlos essen. Überhaupt werden die Mitarbeiter stark gefördert, was sie auch selbst bestätigen. Wer eine gute Idee hat, findet Anklang und wird unterstützt.

Das Highlight unseres Besuchs bei Google war Google Glass, diese neue Spezialbrille. Sie fühlt sich natürlich ungewohnt an, aber spannend war es schon: man kann sie an der Seite antippen oder über Spracheingaben steuern: etwa durch Aufforderungen wie „Take pictures“ oder „Navigate to…“. Am oberen Brillenrand ist ein kleines Display, das momentan noch zum Schielen verleitet.

Viel gelernt habe ich aus den Besuchen bei Facebook und Jawbone. Wir erhielten Einblicke in die Entwicklungsmethodik einer der größten Websites und in den systematischen Prozess von Ideenfindung bis hin zu einem marktreifen Hardwareprodukt. Speziell letzteres lässt sich gut auf Inreal anwenden.

Eine interessante Begegnung hatte ich bei einem Dinner: dort traf ich Andreas von Bechtolsheim, einer der Sun-Gründer. Wir haben uns über Inreal unterhalten und er hat mir einige nützliche Ratschläge gegeben.

Insgesamt habe ich von der Reise viele positive Erfahrungen mitgenommen. Auch von Philipp Rösler habe ich einen guten Eindruck: er setzt sich enorm für uns StartUps ein und es war ihm wichtig, dass wir diese ganzen Kontakte im Valley knüpfen konnten – zu den StartUps vor Ort, aber auch zu Investoren. Wobei wir für diese erst interessant sind, wenn wir eine Niederlassung in den USA haben. Doch Kontakt bleibt Kontakt und im Silicon Valley ist man sehr hilfsbereit, auch wenn es darum geht, weitere Connections zu vermitteln.  
Und was mir persönlich sehr wichtig ist: Neben Kontakten und Erkenntnissen diesen Gründer-Spirit erlebt zu haben –eine Bereicherung für mich und vor allem für unser Unternehmen.

Inreal® Technologies GmbH ist ein Technologieunternehmen und ermöglicht Unternehmen Marketing- und Vertriebslösungen mittels der Virtuellen-Realität. Dadurch können Interessenten über eine Brille mit integrierten Bildschirmen in dreidimensionale Welten eintauchen. Inreal® wurde 2011 in Karlsruhe gegründet. Das mehrfach ausgezeichnete Unternehmen zählt mittlerweile zu den innovativsten deutschen Technologiegründungen. Inreal arbeitet mit Distributionspartnern in Istanbul (Türkei) und Maastricht (Niederlande). Das Hauptprodukt ist das Inreal® Terminal: Damit kann beispielsweise ein künftiger Bauherr an einem Simulator eine gesamte Produktpalette von Immobilien virtuell begehen und nach seinen Vorlieben konfigurieren – lange vor Baubeginn. Somit entsteht eine Entscheidungssicherheit im Planungsprozess. Per Tablet können Anpassungen während des virtuellen Rundgangs vorgenommen werden.
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