Von Schwarmintelligenz, Mensch-Roboter-Kooperationen und neuen Geschäftsmodellen

CyberForum 11.05.2016

Früher waren Industrieroboter in Käfigen eingesperrt – aus Sicherheitsgründen. Heute arbeiten Mensch und Maschine Hand in Hand, wobei der Roboter auch jederzeit wieder in den autarken, vom menschlichen Arbeiter getrennten Modus rückversetzt werden kann.

Mit Beispielen wie diesen machte die erste Tagung „Industrie + Informatik“ in Karlsruhe deutlich, wie sehr sich der Alltag in den Fabrikhallen gewandelt hat. Die Tagung, veranstaltet vom CyberForum e.V. und der IHK Karlsruhe mit Unterstützung des DIZ |Digitales Innovationszentrum, zeigte Best Practices und Erfahrungswerte aus technischer und unternehmerischer Sicht auf. Als Referenten sprachen Vertreter aus Forschungseinrichtungen sowie der regionalen Wirtschaft.


„Keine starr verkettete Fabrik“

So erläuterte Johann Soder, Geschäftsführer Technik bei SEW Eurodrive, wie Effizienz durch mobile Logistikassistenten, die nach dem Ameisenprinzip mit Schwarmintelligenz arbeiten, gesteigert werden kann – hin zur Losgröße 1. Dadurch werde die Ressource Mensch körperlich geschont und sinnvoll als „Entscheider und Innovator“ eingesetzt, als „Dirigent der Wertschöpfung“, der die technischen Prozesse visualisiert auf seinem Display erhält und so steuern kann.

Die Smart Factory sei, so Soder, „keine starr verkettete Fabrik“, sondern bestünde aus „losen Prozessmodulen“. Soder führte auf, wie jedes technische Objekt in der Smart Factory eine IP-Adresse erhält und somit Teil eines Netzwerks wird.

Doch die Koppelung von Produktions- und IT-Netzwerken birgt auch Sicherheitsrisiken, wie Gernot Hafner, Chief Technical Officer bei FRITZ & MACZIOL, erörtert. So könnten Hackerangriffe auf das technische IT-Netzwerk direkte Auswirkungen auf die Produktion haben. Eine weitere Herausforderung sei es, die vielen verschiedenen Daten zusammenzuführen, da die Maschinen teils von unterschiedlichen Herstellern stammen. 

Diese Herausforderungen gilt es also zu bewältigen, um von den Vorteilen der smarten Fabrik zu profitieren. Als einen Vorteil führten Hafner und andere Referenten die „Predictive Maintenance“ auf, also die vorausschauende Instandhaltung der Maschinen, noch bevor diese reparaturanfällig werden: dadurch können Zeit und Kosten gespart werden. Hier kommen intelligente Sensoren ins Spiel – auch darum ging es bei der Tagung „Industrie + Informatik“. Bernhard Müller, Geschäftsleitung Industrie 4.0 bei SICK aus Waldkirch erläuterte die Schlüsselrollen der Sensorik in der smarten Fabrik, gerade auch in Bezug auf Big Data.

Platooning und neue Kollaborationsgeschäftsmodelle 

Dass sich durch die Verzahnung von Software und Hardware, sprich Maschinen, zahlreiche neue Geschäftsmodelle ergeben, stellte Dr.-Ing. Sven R. Schmidt-Rohr, CEO von ArtiMinds Robotics, dar: Software is eating the world – dieser Ausspruch von US-Unternehmer und Investor Marc Andreessen trifft laut Schmidt-Rohr nicht mehr nur auf den Consumer-Bereich zu, sondern zunehmend auch auf den Industriebereich.

Auch abseits der Fabrikhallen eröffnen sich neue Geschäftsmodelle – etwa im Bereich des autonomen Fahrens bzw. im ÖPNV: Prof. Dr.-Ing. Eric Sax, Direktor im Bereich Embedded Systems and Sensors Engineering (ESS) am FZI Forschungszentrum Informatik, schilderte das Beispiel der Platooning-Technologie für den Straßenverkehr: dabei fahren Fahrzeuge in vernetzten Kolonnen relativ dicht hintereinander, ohne dass die Verkehrssicherheit beeinträchtigt sein soll.

Diese und andere Vorträge gaben den rund 120 Vertretern aus dem produzierenden Mittelstand, der IT-Wirtschaft und der Wissenschaft viele Anregungen.

Zum Abschluss gab es noch einen „Weckruf“ zur Digitalen Transformation vom Internetpublizisten und Buchautor Tim Cole. Er führte unter anderem auf, dass es in Unternehmen schon viele „digitale Inseln“ gebe – beispielsweise Customer Relationship Management, Fertigung, E-Commerce, Data Mining – dass diese Inseln aber noch verbunden werden müssen. „Die digitale Vernetzung muss zu Ende geführt werden“, so Cole.




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