Karlsruhe Innovationstreiber für die Arbeitswelt

CyberForum 25.10.2022

Mit Anna Christmann und Parsa Marvi waren am 24. Oktober 2022 führende Digitalpolitiker*innen in Karlsruhe im CyberForum zu Gast, um mit Expert*innen aus Wirtschaft und Forschung über die Herausforderungen und Chancen durch Künstliche Intelligenz (KI) für eine Arbeitswelt im Wandel zu diskutieren.

Menschzentrierte Künstliche Intelligenz kann zum Alleinstellungsmerkmal für den Wirtschaftsstandort Karlsruhe und Baden-Württemberg werden. Darin waren sich alle Diskutanten einig. Das CyberForum Projekt „Künstliche Intelligenz für Arbeiten und Lernen in der Region KARLsruhe“ (KARL) sei ein Paradebeispiel für den Wirtschaftsstandort Karlsruhe und den Digital Hub für angewandte Künstliche Intelligenz. Mit gutem Beispiel vorangehen – das ist nicht nur Leitbild für KARL, sondern ebenfalls für Antje Leminsky in ihrer Rolle als Vorständin des CyberForum und stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Messtechnikhersteller TESTO. Als Moderatorin konnte sie aus ihrem reichen Erfahrungsschatz im Bereich der Arbeitswelt schöpfen, bereicherte die Diskussion aber auch durch ganz persönliche Aspekte: „Ich bin Mutter von zwei Söhnen, was soll ich denen raten? Welche Kompetenzen sollten sie mit Blick auf den verstärkten Einsatz von KI stärker in den Fokus nehmen?“

Künstliche Intelligenz – Fluch oder Segen?

„Entlasten anstelle von Entlassen“, so beschrieb Prof. Dr. Steffen Kinkel von der Hochschule Karlsruhe, Leiter des Instituts für Lernen und Innovation in Netzwerken und Projektleitung des Kompetenzzentrum KARL den Gedanken hinter dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Arbeitswelt. Auch Dr. Anna Christmann, MdB, Beauftragte des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz für die Digitale Wirtschaft und Startups, sowie Koordinatorin der Bundesregierung für die Deutsche Luft- und Raumfahrt, stimmte dieser Aussage zu: „Es geht um Entlastung in Bereichen, in denen Überlastung herrscht.“ Darin waren sich alle Teilnehmenden der Podiumsdiskussion einig. Entgegen den Ergebnissen verschiedener Studien, die berichten, dass durch die Einführung von KI 40 % der Arbeitsplätze wegfallen werden, soll KI keine Arbeitsplätze wegnehmen, sondern dem Fachkräftemangel entgegenwirken, Prozesse beschleunigen und zur Qualitätssteigerung beitragen. Jens Beyer, CTO der LAVRIO.solutions GmbH, führte einen weiteren Anwendungsfall von Künstlicher Intelligenz auf, indem er deutlich machte, dass KI in vielen Fällen nicht selbst die Entscheidung für den Menschen treffen soll, sondern lediglich bei der Entscheidungsfindung unterstützt, indem sie einen Vorschlag unterbreitet, auf Basis dessen nach einer passenden Lösung gesucht werden kann.

„Ob KI Fluch oder Segen ist, entscheiden wir selbst“, verdeutlichte Dr. Anna Christmann ihren Standpunkt. Man muss den Menschen nur die Angst vor KI nehmen und ihr Misstrauen gegenüber der Technologie beseitigen.  Das gelingt laut Prof. Dr. Steffen Kinkel am besten, indem man das Ziel der KI-Einführung klar und offen kommuniziert, den Einführungsprozess frühzeitig mit allen Beteiligten abstimmt und erste Dinge schnell umsetzt statt lange den großen Wurf zu suchen.

Akzeptanz von KI-Systemen

Bei der Akzeptanz von KI will der Gesetzgeber mit klaren Regeln unterstützen. Denn nur, wenn KI Diskriminierung verhindert, wird sie auch genutzt. „Wir brauchen Innovationen, die die Chancen von KI ausschöpfen und Regeln, die Missbrauch verhindern“, so Parsa Marvi. Als Mitglied des Ausschusses für Digitales ist Marvi aktuell aktiv in den Beratungen zur EU-Verordnung zur Regulierung von KI involviert.

Karlsruhe als Innovationstreiber

Für Anna Christmann ist KI eine Sprunginnovation, um aktuelle Herausforderungen wie Klimakrise oder Gesundheitsversorgung anzugehen. Sie betonte daher: „Dafür brauchen wir ein starkes KI-Ökosystem in Europa und eine Förderung von Forschung, Innovation und Leuchtturmprojekten mit Strahlkraft. Karlsruhe ist mit dem Digital Hub für angewandte Künstliche Intelligenz, welcher vom CyberForum in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Informatik (FZI) betrieben wird, mit seinen Forschungseinrichtungen, über 4.400 IT-Unternehmen und innovativen Projekten wie KARL ein solcher Leuchtturm."

Kompetenzzentrum KARL – Künstliche Intelligenz für Arbeiten und Lernen in der Region KARLsruhe

KARL ist ein regionales Kompetenzzentrum, das die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz (KI) auf die Lern- und Arbeitswelt untersucht. Ziel von KARL ist es, menschzentrierte, transparente und lernförderliche, KI-unterstützte Arbeits- und Lernsysteme zu konzipieren und in konkreten Praxisanwendungen vorzeigbar zu machen. Die Region Karlsruhe mit dem nationalen Digital Hub angewandte KI und dem führenden IT-Cluster in Europa bietet dafür großes Entwicklungspotenzial. Konsortialführer ist die Hochschule Karlsruhe. Projektpartner sind neben sieben Forschungs- bzw. Transferpartnern auch zehn regionale Unternehmen. Bis 2025 wird KARL vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit knapp acht Millionen Euro gefördert.

Dieses Forschungs- und Entwicklungsprojekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Programm „Zukunft der Wertschöpfung – Forschung zu Produktion, Dienstleistung und Arbeit“ (Förderkennzeichen: 02L19C250) gefördert und vom Projektträger Karlsruhe (PTKA) betreut. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei der Autorin / beim Autor.