Minister Hubertus Heil zu Gast im CyberForum

CyberForum 28.07.2021

Im Rahmen des Besuchs fand ein reger Austausch mit IT-Unternehmen und IT-Startups aus unserem Netzwerk zum Bedarf an IT-Arbeitskräften, Weiterbildungsmaßnahmen und Homeoffice-Regularien statt. Im Transformationsprozess deutscher Unternehmen muss es für die Arbeitnehmer*innen von heute möglich sein, durch Weiterbildung und Qualifizierung für die Arbeit von morgen ausgebildet zu werden. Ein Rechtsanspruch auf eben diese Weiterbildung und Qualifizierung liegt Hubertus Heil besonders am Herzen.

Am heutigen Mittwoch war der Bundesminister für Arbeit und Soziales Hubertus Heil zu Gast im CyberForum e.V.. Nach einer Begrüßung und Vorstellung des CyberForum durch den Vorstandsvorsitzenden Matthias Hornberger und dem Geschäftsführer David Hermanns, richtete sich Hubertus Heil mit einigen Grußworten an die anwesenden CyberForum-Vorstände, Unternehmer, Mitglieder und Pressevertreter*innen: „Ich bedanke mich recht herzlich für die Einladung und sehe in Clusterinitiativen, wie dem Hightech.Unternehmer.Netzwerk CyberForum, eine besonders tolle und sehr wichtige Sache. Gerade im Hinblick auf die anstehenden Transformationsprozesse im deutschen Mittelstand.“

Weiterbildung und Qualifizierung als Schwerpunkt

Der Bundesarbeitsminister setzt dabei den Schwerpunkt darauf, was zumindest bis zur Bildung einer neuen Regierung nach der Bundestagswahl im September in seinen Zuständigkeitsbereich fällt. Und zwar die Weiterbildung und Qualifizierung von Beschäftigten: „Wenn wir Strukturbrüche verhindern und den Wandel gestalten wollen, dann ist es notwendig, dass wir Arbeitslosigkeit durch Qualifizierung vermeiden, bevor sie entsteht.“ Die Bundesagentur für Arbeit habe inzwischen neue Instrumente, „um Unternehmen, die in Weiterbildung investieren, zu unterstützen, und zwar bei den Kosten der Qualifizierungsmaßnahmen und auch beim Arbeitsentgelt“ für die Zeit, in der Mitarbeiter weitergebildet werden. Genau hier setzt auch das Projekt Open IT, angesiedelt im CyberForum, an.

Hierbei werden internationale Akademiker*innen und Fachkräfte auf ihrem Weg ins Berufsleben in die IT-Branche durch Beratung unterstützt, mit dem Ziel in ein ihrer Qualifikation angemessenes Arbeitsverhältnis einzusteigen. Entscheidend ist hier vor allem, dass Deutschland schneller wird. Die Konzeption und Strategien sind vorhanden, es fehle aber an Geschwindigkeit. Sicher ist er sich vor allem bei einem: „Die Arbeit in Deutschland wird nicht weniger werden, sie wird sich lediglich wandeln.“ Zudem soll ein Bildungs-Netflix entstehen: Eine Internetplattform, auf der Bürger*innen passgenau ihren Interessen und beruflichen Bedürfnissen entsprechende Fort- und Weiterbildungskurse aussuchen und buchen können - wann immer es ihnen passt.

Mangel an Fachkräften nimmt weiter zu

Das Projekt Finish IT startete als erstes dieser Art mit der Unterstützung von Studienabbrecher*innen beim Einstieg in die (verkürzte) duale Ausbildung im IT-Umfeld und berät seitdem kleine und mittlere IT-Unternehmen in der Region Karlsruhe über die Potentiale von eben genau diesen Studienabbrecher*innen als zukünftige Fachkräfte in der IT. Auch das Projekt technika wirkt dem Fachkräftemangel entgegen. Nur setzt dieses schon viel früher an. Wöchentlich werden über 1.500 Schülerinnen und Schüler an über 100 Schulen erreicht mit dem Ziel diese in AGs für Technik zu begeistern und Talente früh zu entdecken und zu fördern. Darauf zielt auch die Initiative karlsruhe.digital ab, indem sie Projekte wie technika und die Teilnahmen des CyberForum auf Fachkräftemessen unterstützt.
Hubertus Heil sieht hier die Menschen ohne Ausbildung zwischen 20 und 30 Jahren. Diese müssen mit einem Aufholpaket rechtzeitig aufgefangen werden, um nicht in die Langzeitarbeitslosigkeit zu rutschen.

Die Teilnehmenden sehen den Mangel an Fachkräften als großes Problem. Hubertus Heil nimmt dabei die Unternehmen in die Pflicht, die transparent machen müssen, welche Skills-Anforderungen die Beschäftigten für den Transformationsprozess benötigen. Denn das könne die Bundesagentur für Arbeit nicht.

Wie geht es mit den Homeoffice-Regularien nach der Pandemie weiter

Was denn mit den arbeitsschutzrechtlichen Regularien im Homeoffice nach der Pandemie passiere, antwortete der Bundesarbeitsminister mit der Idee nach niederländischem Vorbild. Dort könnten Beschäftigte Interesse an Homeoffice beim Arbeitgeber anmelden, und der müsse, wenn er dieses ablehne, dafür gute Gründe nennen. Ein solches Gesetz sei in dieser Legislaturperiode noch nicht möglich gewesen. Er sei der festen Überzeugung, dass nicht überbordend neue Regularien aufgebaut werden dürfen, aber die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen vor gesundheitlicher Überforderung geschützt werden müssen.

Weiteren politischen Handlungsbedarf sehen die Teilnehmenden beim Arbeitnehmerüberlassungsgesetz in Bezug auf freie Mitarbeiter in der IT-Branche. Die Zusammenarbeit mit Freelancern birgt für viele Unternehmen ein unkalkulierbares Kostenrisiko. Hubertus Heil sieht hierbei als kurzfristige Lösung eine Beschleunigung der Statusrückmeldung bezüglich Selbstständigkeit oder Angestelltenverhältnis.

Plattformökonomie

Abschließend verwies Hubertus Heil auf das Stichwort Plattformökonomie. Es ist wichtig, dass Unternehmen und Erwerbstätige die Chancen nutzen können, die sich in solch einer Plattformökonomie ergeben. Technischer Fortschritt soll auch sozialer Fortschritt sein. In der Plattformökonomie müssen gute Tätigkeitsbedingungen und soziale Absicherung gewährleistet sein – unabhängig davon, ob die jeweilige Tätigkeit als Arbeitnehmer*in oder als Selbstständige*r ausgeübt wird.