The Digital New Normal als der Bunte Schwan?

CyberForum 06.08.2020

Jede Krise birgt Chancen – das wollten das CyberForum e.V., die IHK Karlsruhe und karlsruhe.digital, in dem virtuellen Kongress den mehr als 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern vermitteln. Dazu lieferten elf Vortragende spannende Impulse zu New Work und remote Arbeiten sowie zu neuen Geschäftsmodellen und Innovationen. Roman Melcher, Mitglied der Geschäftsführung von dm-drogerie markt GmbH + Co. KG, war einer der Keynote Speakers und stellte in seinem Vortrag die Frage - „Was wäre, wenn wir in Glücksfällen genauso schnell und beherzt handeln würden wie im Ernstfall?“ Dabei nutze er das Bild des schwarzen Schwans aus dem gleichnamigen Buch von Nassim Taleb, um die aktuelle Situation zu beschreiben. Der schwarze Schwan stand in diesem Fall für das Eintreten sehr unwahrscheinlicher, negativer Ereignisse. Die Corona-Krise bezeichnete Roman Melcher als schwarzen Schwan, da sie unsere Gesellschaft unvorbereitet und weltweit getroffen hat. Allerdings gibt es neben den negativen schwarzen Schwänen auch positive schwarze Schwäne, die bunten Schwäne. Diese passieren nicht unweigerlich einfach so, sondern stehen vielmehr für die günstige Gelegenheit, die man nutzen muss. Somit ist der bunte Schwan ein Glücksfall für uns Menschen, um echte Innovation hervorzubringen. Roman Melcher betonte, dass es jedoch nicht einfach ist den Glücksfall zu erkennen und zu nutzen.  


Ein leuchtendes Beispiel für die VUCA-Welt

Darüber hinaus sah Roman Melcher die Corona-Krise als leuchtendes Beispiel für die VUCA-Welt. VUCA ist ein Begriff zusammengesetzt aus "volatility" ("Volatilität"), "uncertainty" ("Unsicherheit"), "complexity" ("Komplexität") und "ambiguity" ("Mehrdeutigkeit", der eine Welt beschreibt, in der nichts mehr gewiss ist und man nur noch von einem auf den anderen Tag entscheiden kann. Seiner Meinung nach sind für den erfolgreichen Umgang mit dieser Situation resiliente Unternehmen und autonome Menschen bedeutend.
Auch die anderen Vortragenden des Kongresses sind sich einig, dass Geschäftsmodelle dann gut sind, wenn sie agil auf Veränderungen reagieren, mit hoher Diversität auf die Dinge eingehen können, eine eingebaute Redundanz haben und sich vor allem auf Kernkompetenz fokussieren.


Die Krise als Chance

Die zweite Keynote hielt Wolfang Grenke, Präsident der IHK Karlsruhe und Gründer und stv. Aufsichtsratsvorsitzender der Grenke AG. Er sieht die Corona – Krise als große Chance. Denn gerade jetzt besteht die Möglichkeit die digitale Infrastruktur weiter auszubauen. Die Krise hat gezeigt, dass die Wirtschaft durch Digitalisierung widerstandsfähiger gemacht wird. Es gibt Initiativen, die bereits mit digitalen Services und Angeboten durchstarten. Diese haben den Glücksfall erkannt und die Chancen genutzt, um Innovation umzusetzen. Im Allgemeinen sieht Wolfgang Grenke eine Renationalisierung von Wertschöpfungsketten als nicht möglich. Die Verflechtung der Ketten sei dafür viel zu groß. „Wenn wir jetzt die Weichen richtigstellen, kann die Krise zu einer Chance für die Wirtschaft in Europa und in Deutschland werden“, so sein Fazit.


Schnelles Handeln ist unumgänglich

In der abschließenden Paneldiskussion mit Wolfgang Grenke, Christine Regitz, Matthias Hornberger, Prof. Dr. Marion Weissenberger-Eibl und Richard Einstmann sowie David Hermanns als Moderator,  wurden die Erkenntnisse des Kongresses diskutiert und ein Résumé gezogen. Eine gemeinsame Übereinstimmung gab es vor allem dabei, dass die Corona-Krise ein Nachdenken über die Veränderung des eigenen Geschäftsmodells angeret, sowie die Digitalisierung radikal beschleunigt hat.  Außerdem war man sich einige, dass die Innovationsbereitschaft erhöht und eine Technikchancenabschätzung etabliert werden muss. Ebenso muss die Politik in Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Wissenschaft ein digitales Leitbild entwickeln. Hierzu gehört natürlich auch eine einheitliche Regelung, was mobiles Arbeiten respektive Home Office betrifft. Gleichzeitig müsse bei den Wertschöpfungsketten geprüft werden, ob diese sowohl ökonomisch also auch ökologisch nachhaltig sind.


The Digital New Normal ist an der Reihe

Alles in allem hat der Kongress gezeigt, wie auch schon Matthias Hornberger, Vorstandsvorsitzender des CyberForum e.V., in seiner Eröffnungsrede betonte, dass „The Digital New Normal“ nun an der Reihe ist. Dabei sieht er das Hightech.Unternehmer.Netzwerk CyberForum e.V. besonders in der Verantwortung. Denn zum einen ist eines der Missionstatements des CyberForum e.V. die Gestaltung der digitalen Gesellschaft und zum anderen wird das Thema „Netzwerk“ eine wesentlich größere Rolle einnehmen. Wir danken allen Vortragenden und Beteiligten und hoffen, dass die IT-Region Karlsruhe als bunter Schwan aus der Corona-Krisen hervorgehen kann.