"Think Big - Start Small"

Mitglieder 19.06.2018 ping24/7 GmbH

Carsten Urbanski ist Geschäftsführer des gefragten Digitalunternehmens, die ping 24/7 GmbH, aus Karlsruhe. Als Spezialist für Softwareentwicklung, für die Vernetzung von Maschinen und Anlagen sowie anspruchsvolle Digitalisierungsprojekte begleitet er mit seinem Team Familienunternehmen auf dem Weg in die digitale Zukunft. Im Gespräch mit Mittelstandsexperten und Kuratoriumsvorsitzenden der Oskar-Patzelt-Stiftung, Christian Wewezow, spricht er über Trendthemen seiner Branche und erklärt, wie mittelständische Unternehmen auch in behutsamen Schritten, ihren Weg ins digitale Zeitalter meistern können. Außerdem beschreibt er den Weg seines eigenen Unternehmens von der klassischen Softwareschmiede zum modernen Begleiter zukunftsorientierter Digitalisierungsprojekte und ERP-Lösungen für den Mittelstand.


Christian Wewezow: Wie ist Ihr Eindruck in der Praxis: Wie geht der Mittelstand in Deutschland mit dem Thema Industrialisierung 4.0 um? Häufig wird angemahnt, dass die deutschen Unternehmen in diesem Bereich nicht schnell genug voranschreiten?

Carsten Urbanski: Industrie 4.0 oder Digitalisierung gibt es schon ewig: Das fing mit der elektronischen Datenverarbeitung in den 1970er Jahren an. Auch da haben die Menschen Zeit gebraucht, um sich darauf einzustellen. Das ist ganz normal! Ich denke, wir werden eine Beschleunigung mit dem Generationswechsel jetzt bald erleben. Es gibt Unternehmen, die sind bereits heute aufgeschlossener und die können den technologischen Vorsprung für sich im Wettbewerb nutzen.

Christian Wewezow: Die Digitalisierung durch die Nachfolge anzustoßen und umzusetzen, ist eine große Chance für sehr viele Familienunternehmen und Mittelständler: Warum bietet es sich an, die Digitalisierung der Nachfolge oder jungen Potentialträgern zu überlassen?

Carsten Urbanski: Ja, es lohnt sich definitiv das Thema Digitalisierung an die junge Generation zu delegieren. Dann haben sie auch gleich einmal ein erfolgskritisches und relevantes Projekt für sich und können so wachsen: In das Unternehmen hinein und an ihren fachlichen Aufgaben. Der Umfang und die Komplexität von Digitalisierungsvorhaben darf nicht unterschätzt werden. Darüber hinaus ist die jüngere Generation häufiger technikaffin und kann sich für die neuen digitalen Möglichkeiten stärker begeistern. Die neuen digitalen Möglichkeiten schaffen effizientere Geschäftsprozesse oder ermöglichen neue Möglichkeiten der Unternehmenssteuerung. Wenn die Nachfolge von Anfang an in die Digitalisierung reinwächst, ist vieles für diese Generation ganz natürlich.

Christian Wewezow: Was sind die derzeitigen Trendthemen in der Branche und in Ihrem Unternehmen?

Carsten Urbanski: Was immer wichtiger wird, ist das Internet der Dinge (Internet of Things oder IoT) und die damit verbundene Mensch-Maschine-Kommunikation. An der Stelle wird Digitalisierung auch praktisch greifbar, wenn es um Maschinen geht. Ein Beispiel aus dem Arbeitsalltag: Ich war in der Produktion eines Mittelständlers und hatte den Elektriker gefragt: „Wie viel Strom verbrauchen denn deine Maschinen?“ Er erwiderte: „Gute Frage! Das möchte ich auch zu gern wissen!“ Dann haben wir in den Schaltschrank ein Strom-Messgerät mit Netzwerkanschluss integriert, damit wir die Daten messen und erfassen konnten. Die Daten haben wir visualisieren lassen, um den Stromverbrauch exakt vorhersagen zu können. Wir wollten keine Insellösung bauen, sondern haben das ganze System so modular aufgebaut, dass alle notwendigen Schnittstellen integriert waren und das System auch in Zukunft mit den Ansprüchen und Bedürfnissen wachsen kann.

Christian Wewezow: Wie kam es dazu, dass Sie Ihr Unternehmen vor 15 Jahren als Digitalpionier gegründet haben?

Carsten Urbanski: Ursprünglich war ich bei Web.de für alle Oracle-Datenbanken in der IT zuständig. Es war damals das größte Datenbanknetzwerk weltweit. Bei Web.de bin ich sehr oft ins kalte Wasser geschmissen worden. Ich war einer der ersten Mitarbeiter. Nach einem Jahr waren wir über 500. Irgendwann hatte ich Lust, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen und meine Möglichkeiten zu erweitern. Meine Freundin wollte dann damals auch gerade an den Bodensee ziehen, so dass neben der räumlichen auch eine berufliche Veränderung notwendig wurde. Ich habe mich zunächst mit Linux-Systemen selbständig gemacht und habe auch für Focus und Nintendo Cluster-Systeme aufgebaut sowie Hochverfügbarkeitslösungen. Durch Webseiten-Programmierung kamen wir in den Bereich Entwicklung. Daraus ist dann über die vielen Jahre unsere Alleinstellung erwachsen: Durch die Verknüpfung von Technik-Know-how unddem Know-how der Softwareentwicklung. Wir entwickeln auch anspruchsvolle Systeme und sind PCI-zertifiziert. Heute kommt mir mein ursprünglicher fachlicher technischer Hintergrund wieder zu Gute. Ich bin Energieelektroniker mit Fachrichtung Anlagentechnik und habe mich weiterqualifiziert zur Industriefachkraft für speicherprogrammierbare Steuerung. Ich habe damals ABB-Roboter programmiert und durchlief einige SPS-Zertifizierungen. Damit bin ich praktisch groß geworden.

Christian Wewezow: Wie hat sich ping 24/7 im Laufe der letzten Jahre entwickelt?

Carsten Urbanski: Entwicklung ist in vielerlei Hinsicht unser Stichwort. Zum einen, weil wir für den Kunden maßgeschneiderte Technologie-Lösungen aus einer Hand entwickeln. Dabei ist es wichtig, ergebnisorientiert zu denken und dem Kunden den Wunsch von seinen Augen abzulesen. Heute arbeiten wir direkt an den Zukunftsthemen: Industrie 4.0 und Internet der Dinge. Zum Beispiel unterstützen wir mittelständische und Familienunternehmen dabei, Prozesse effizienter zu gestalten, Maschinen zu vernetzen und Daten zu erheben und auszuwerten. Weitere wichtige Themen sind u.a. ERP-Systeme und IT-Security.

Christian Wewezow: Eine Frage zum Vorgehen in Digitalisierungsprojekten, die ich immer wieder auch von meinen mittelständischen Unternehmern gestellt bekomme: Was sind die besten Vorgehensweisen, um sich mit der Digitalisierung zu befassen und worauf müssen Unternehmer achten?

Carsten Urbanski: „Think Big, start small“, lautet da die Devise. Man sollte das große Ziel sehen und sich überlegen, wo fange ich an, was ist der beste erste Schritt. Das ist auch bei der Einführung von neuen Systemen sehr wichtig, um nicht die Mitarbeiter zu überfordern. Wie man an die Daten rankommt, ist auch immer ein Punkt in der Evaluierungsphase. Außerdem sollte man Schnittstellen beachten, die APIs (Programmierschnittstellen). Man sollte ein Netzwerk aufbauen, bei dem alle Systeme miteinander kommunizieren können. Die Hardware ist dabei in den seltensten Fällen ein Hindernis. Für die meisten Systeme gilt: Sie sollten modular und integrativ aufgebaut sein, damit man die Dinge, die man entwickeln möchte, auch in andere Systeme integriert werden können.

Christian Wewezow: Die Systeme zu programmieren und die Mitarbeiter dann damit alleine zu lassen ist ja traditionsgemäß schwierig. Was tun Sie, um die Digitalisierungskompetenzen der Mitarbeiter zu verbessern, damit diese mit den neuen Systemen auch zurecht kommen?

Carsten Urbanski: Ich unterstütze gerne die Mitarbeiter im Vorfeld, wie das Unternehmen digitalisiert werden kann. Denn die Erfahrung hat gezeigt, dass Initiativen aus dem Unternehmen viel mehr Erfolg haben, als wenn diese von außen kommen. Man sollte die Mitarbeiter langsam an die neuen Systeme heranführen. Hier bieten wir auch IT-Schulungen, -Trainings und -Workshops am, um die Digitalisierungskompetenzen der Mitarbeiter deutlich zu verbessern. Erst wenn die Mitarbeiter befähigt sind, die Systeme selbst zu bedienen und einen Nutzen erkennen, werden die Systeme am Ende im Alltag genutzt werden


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