In Karlsruhe können Kinder schon ab der 3. Klasse Roboter bauen, Brücken konstruieren und lernen, wie ein Motor funktioniert. Ganz ohne Notendruck. Hinter diesen Aktivitäten steckt die technika | Karlsruher Technik-Initiative des CyberForum e.V., die gerade ihre 200. Schule mit Material und Know-how für die Einrichtung einer Technik-AG ausgestattet hat.
Selbstbedienung für junge Ingenieure an den fischertechnik-Buffets
Was 2013 als gute Idee begann, ist heute eine bedeutende Initiative: Über 200 Schulen in der Region und deutschlandweit, mehr als 250 Ehrenamtliche und unzählige Kinder und Jugendliche, die dank der technika ihre ersten Roboter bauen, Schaltkreise verstehen und begreifen, wie viel Spaß Technik machen kann. Hinter all dem steht die Technik-Initiative des CyberForum e.V., die Schulen mit technika-Sets von fischertechnik ausstattet – vollgepackt mit Bauteilen, mit denen Kinder und Jugendliche lernen und begreifen, wie Technik funktioniert und Informatik helfen kann, technische Probleme zu lösen. Ziel: früh Begeisterung für Technik und Informatik wecken und den Forschergeist befördern, damit junge Talente sich entfalten können.
„Mich begeistert, mit wie viel Herzblut hier gearbeitet wird“
„Den Grundstein schon bei den Kleinen zu legen, um später in Technik und Informatik Fuß zu fassen – das fanden wir spannend“, sagt Martina Stoppanski-Auracher, Kundendirektorin Region Karlsruhe bei der Volksbank pur. Die Bank unterstützt die technika schon seit vielen Jahren. „Mich begeistert, mit wie viel Herzblut hier gearbeitet wird, und ich finde, das muss unterstützt werden.“
„Wir brauchen die technisch begabten jungen Leute, um unsere Innovationen voranzutreiben“
Corona Feederle von der feco-feederle GmbH war ebenfalls sofort überzeugt: „Wir sind einfach fasziniert, welch wertvolle Arbeit hier geleistet wird und dass die jungen Menschen sich so sehr dafür begeistern – das wollten wir sehr gerne fördern.“ Gemeinsam mit der WIBU-SYSTEMS AG und der Technologiepark Karlsruhe GmbH hat ihr Unternehmen die Ausstattung des SFZ ermöglicht. Oliver Winzenried, Geschäftsführer der WIBU-SYSTEMS AG, bringt es auf den Punkt: „Wir brauchen die technisch begabten jungen Leute, um unsere Innovationen voranzutreiben.“
Rechtzeitig Begeisterung wecken
Wie stark die technika inzwischen in der Karlsruher Bildungslandschaft verankert ist, zeigt die Begeisterung des Lions Club Karlsruhe Turmberg, der inzwischen 18 Schulen fördert.
„Dirk Fox hat diese Idee im Lions Club vorgestellt und mit seinem Schwung alle mitgerissen“, erinnert sich Patricia Erb-Korn. „In dem Moment, wo Kinder erkennen, dass sie etwas erschaffen können, was vorher nicht da war, springt der Funke über – und das ist ein lohnenswertes Ziel.“
Auch Dr. Caspar Käding vom Lions Club sieht das so und hat seine kleine Tochter gleich mitgebracht: „Technikbegeisterung kann schon früh gelingen“ sagt er.
Technik kann Brücken bauen
An der Erich-Kästner-Schule zeigt sich, wie stark Technik Kinder verbindet, unabhängig von Herkunft oder Sprache. „Die Kinder der 6. Klasse erleben sich in der Technik-AG nicht über ihr Sprachdefizit, sondern über ihre Stärken“, sagt Schulleiterin Rica Stecher. „Damit wirkt die Technik-AG doppelt: als MINT-Förderung und als Sprachförderung, ganz ohne Fachvokabular.“
Für Alexandra Huber, Schulleiterin der Südschule Neureut, ist die Begeisterung für Technik Chefinnen-Sache: „Das Anfüttern der Grundschüler:innen für die Begeisterung an Technik ist bei mir Chefinnen-Sache. Und die, die begeistert sind, gehen dann in die AG – zuletzt 20 Kinder. Die AG leitet ein Vater ehrenamtlich, dessen Tochter längst auf eine weiterführende Schule geht.“ Ein Engagement, das ansteckt, auch privat: „Meine Tochter ist gerade am CERN in Genf.“
Über alle gesellschaftlichen Schichten hinweg
Wie viel Potenzial in solchen Räumen steckt, weiß Harald Denecken, ehemaliger Sozialbürgermeister und Gründer der Schülerakademie: „Nicht nur Kopfarbeit, sondern auch Hand und Herz einzubringen und das außerhalb des normalen Unterrichts, ohne Schere im Kopf. Das Schöne ist, dass es über alle gesellschaftlichen Schichten und Altersstufen hinweg funktioniert. Jungen und Mädchen inspirieren sich gegenseitig. So muss Schule sein.“
Auch das KIT begleitet die technika seit Jahren mit großem Engagement. Prof. Dr. Sven Matthiesen vom Institut für Produktentwicklung (IPEK) sagt: „Es ist einfach wunderbar, dass es Menschen gibt, die unsere Jugendlichen für Technik begeistern. Das brauchen wir für unsere Zukunft – denn davon leben wir alle.“
Praxisnah in die Welt der Forschung eintauchen
Wie aus der Idee das Schülerforschungszentrum (SFZ) wurde, erklärt technika-Gründer Dirk Fox: „Als die technika zehn Jahre alt wurde, haben wir uns gefragt: Was machen wir mit den Kindern, die mehr wollen? Daraus entstand das technika Lab – unser Schülerforschungszentrum.“ Das neue Schülerforschungszentrum Karlsruhe ist somit eine Erweiterung der technika für besonders interessierte Kinder und Jugendliche. Hier können sie an eigenen Projekten arbeiten, Hightech-Werkzeuge wie 3D-Drucker oder Lasercutter nutzen und von Expert:innen aus dem CyberForum-Netzwerk begleitet werden. Es wurde mit Unterstützung der Joachim-Herz-Stiftung, feco-feederle GmbH, WIBU-SYSTEMS AG, der Volksbank pur eG und der Technologiepark Karlsruhe GmbH eingerichtet. Ziel ist es, Talente zu fördern, kreative Ideen umzusetzen und praxisnah in die Welt der Forschung einzutauchen. Ganz ohne schulische Vorgaben, aber mit professioneller Begleitung.
Bundessieger 2023 bei Jugend forscht kommt aus dem SFZ
Ein Beispiel ist das Team CycleSense, das hier ein Feinstaubmessgerät weiterentwickelt hat. 2023 wurde es damit Bundessieger bei Jugend forscht. „Die Technik- und Informatikkompetenz ist das eine“, sagt Fox. „Aber die Kinder und jungen Erwachsenen lernen auch, Probleme zu lösen, dranzubleiben und Frustrationstoleranz zu entwickeln. Das sind die wichtigsten Ingenieurstugenden.“
Auf die Frage, ob er sich 2013, als die technika startete, 200 Schulen hätte träumen lassen, lacht er: „Na klar! Und jetzt geht’s weiter.“
„Hier investiert man in die Zukunft von Kindern“
Hubert Hartmann von der Wirtschaftsförderung Karlsruhe bringt den Standortgedanken auf den Punkt: „Ich kenne fischertechnik schon aus meiner Kindheit und finde es großartig, wenn Kinder früh lernen, wie ein Motor Räder antreibt oder wie man eine stabile Brücke baut. Das weckt Verständnis und Begeisterung, die später die Grundlage für Innovation bilden.“ Und Günther Lang vom Rotary Club Ludwigshafen kündigt an: „Wir fördern bereits zwei Lernorte und wollen weitere Schulen unterstützen.“
Was die technika also ausmacht? Das Vertrauen in junge Talente und deren Förderung. Oder, wie eine Unterstützerin es formuliert: „Hier investiert man in die Zukunft von Kindern. Und das ist mit Sicherheit das Beste, was man tun kann.“
Von Ariane Lindemann