Holzwirtschaft 4.0: EU-Projekt FORESDA

CyberForum 15.12.2017

Die Digitalisierung verändert alle Branchen – auch in der Holzwirtschaft zeichnen sich neue Herausforderungen durch hochvernetzte, industrielle Produktionsprozesse ab. Das EU-Projekt FORESDA setzt hier an und unterstützt Unternehmen der Forst- und Holzwirtschaft bei der Digitalisierung. Im Rahmen zweier Kick-Off-Veranstaltungen in Pforzheim und Karlsruhe wurden nun die Grundlagen für branchenübergreifende Kooperationen geschaffen.

Die Wettbewerbsfähigkeit des Forstsektors in der Donauregion stärken? Das ist das Ziel des Projekts FORESDA, das kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im holzverarbeitenden Sektor fördern und den Wandel von der traditionellen Forstwirtschaft hin zu einer modernen Hightech-Industrie vorantreiben soll. Das EU-Projekt, das insbesondere transnationale Kooperationen in Sachen Holz fördern soll, wird vom CyberForum zusammen mit zwölf Partnern aus neun europäischen Ländern umgesetzt. 

Kick-Off: regionale Arbeitsgruppe etabliert

„Die Bedeutung der vierten industriellen Revolution wird auch für die Holzwirtschaft immer offensichtlicher – eine Branche, die in Bezug auf Digitalisierung nur wenig Beachtung findet, obwohl sie mit 1,1 Millionen Menschen mehr Mitarbeiter beschäftigt als die Autoindustrie“, so Tamara Högler, Leitung Innovation und Internationale Angelegenheiten im CyberForum. „Wir wollen mit dem Projekt FORESDA dazu beitragen, dass die Holzwirtschaft das Thema Digitalisierung ernst nimmt und Chancen erkennt, die damit einhergehen, aber auch für neue Geschäftsmodelle sensibilisiert wird, die erst durch Digitalisierung möglich werden.“

Um die Forst- und Holzwirtschaft in der Donauregion insgesamt aber auch in den Projektregionen zu unterstützen, wurde eine regionale Arbeitsgruppe für Baden-Württemberg etabliert. Am 7. November trafen sich Vertreter von Clustern, Wirtschaftsförderungen und Politik im EMMA Kreativzentrum in Pforzheim. Die Aufgabe: Handlungsempfehlungen für Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zu entwickeln und auszusprechen. Um die jeweiligen regionalen Innovationssysteme zu stärken und branchenübergreifende Kooperationen und Innovationsprojekte zu fördern, soll ein Aktionsplan ausgearbeitet werden. 

Neben den regionalen Projektpartnern CyberForum, Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald und inno AG zählen zu den Mitgliedern der Arbeitsgruppe das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg, der Cluster ProHolz BW, die Wirtschaftsförderung Karlsruhe sowie die IHK Nordschwarzwald. 

Digitalisierung der Holzwirtschaft: FORESDA-Pilot „Smart Home/Smart Furniture“

Zusätzlich zu der Etablierung regionaler Arbeitsgruppen sollen mit FORESDA aber auch regionale Pilotprojekte umgesetzt werden, sogenannte Pilotinnovationsumgebungen. Sie sollen Innovation und Wettbewerbsfähigkeit von KMU im holzverarbeitenden Sektor fördern und die Entwicklung neuer Produkte, Prozesse und Dienstleistungen anstoßen. Am 15. November fand hierzu am FZI Forschungszentrum Informatik in Karlsruhe ein Workshop der regionalen Arbeitsgruppe mit dem Thema „Smart Home/Smart Furniture“ statt. 

Im Rahmen dieses Pilotprojektes sollen branchenübergreifende Innovationsaktivitäten in den Bereichen Möbelproduktion und Holzbau gefördert und  insbesondere die Branchen Holzwirtschaft sowie Informations- und Kommunikationstechnik zusammengebracht werden. Doch wie sieht das in der Praxis aus? „Für die IT-Branche bedeutet dies vor allem zu lernen, welche Anforderungen beziehungsweise Herausforderungen in der Holzbranche bestehen“, erklärt Ralf Trunko, Projektmanager Innovation und Internationale Angelegenheiten im CyberForum. „Die Holzbranche wiederum soll von den Möglichkeiten erfahren, die ihr die moderne IT eröffnet.“ Konkret soll das in Baden-Württemberg entwickelte Pilotprojekt intelligente und innovative Lösungen in den Bereichen Indoor- und Outdoormöbel sowie im Holzbauwesen hervorbringen. Darüber hinaus soll es den Einsatz von neuartigen und nachhaltigen Holzverbundwerkstoffen fördern.

Das Pilotprojekt besteht dabei sowohl aus einer Offline- als auch einer Online-Komponente: Neben der Arbeitsgruppe, die sich trifft und diskutiert, soll künftig auch eine Plattform zur Informationsverbreitung und zum gegenseitigen Austausch entstehen. Hier können KMU und Wissenschaft zusammenkommen, um neue Technologien, Verfahren oder Methoden zu erforschen.Verantwortlich für das Pilotprojekt sind das CyberForum, die inno AG sowie die Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald als FORESDA-Projektpartner. Weitere Teilnehmer sind

  • der Cluster BioPRO BW und das Steinbeis-Europa-Zentrum als Koordinatoren von relevanten komplementären Projekten, welche Synergien mit der FORESDA-Pilotumgebung anstreben und zu deren Konzept und Verbreitung beitragen,
  • die Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald, die Handwerkskammer Karlsruhe sowie die Modellfirma Häfele GmbH & Co. KG, welche die regionale Industrie vertreten und gewährleisten sollen, dass deren tatsächliche Bedürfnisse in Bezug auf Innovation, Forschung und Zusammenarbeit bei der Konzeption und Implementierung der Pilotumgebung berücksichtigt werden,
  • die Fachhochschule Pforzheim, das FZI Forschungszentrum Informatik und das Materialprüfungsinstitut der Universität Stuttgart, welche die Konzeption und Umsetzung der Pilotumgebung unter wissenschaftlichen und technologischen Gesichtspunkten unterstützen,
  • sowie der Smart Home & Living Baden-Württemberg e.V., eine Initiative des Landes Baden-Württemberg, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Weiterentwicklung und Nutzung intelligenter Haussysteme zu fördern.

FORESDA wird im Rahmen des EU-Programms Interreg Danube gefördert. Das Projekt, das am 1. Januar 2017 begonnen hat, hat eine Laufzeit von 30 Monaten. Die öffentliche Auftaktveranstaltung fand am 7. März 2017 im Rahmen der Messe „DOM“ in Ljubljana, Slowenien statt.   




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